Dienstag, 20. Dezember 2016

[Rezension] Rosamund Lupton - Lautlose Nacht

Rosamund Lupton - Lautlose Nacht





Angaben zum Hörbuch:
Titel: Lautlose Nacht
Autorin: Rosamund Lupton
Sprecherin: Tanja Geke
ISBN: 978-3-8398-1503-8
Erscheinungsdatum: November 2016
Preis: 19,95 EUR
Verlag: Argon Hörbuch


Inhalt:
Die englische Physikerin Yasmin fliegt mit ihrer gehörlosen Tochter nach Alaska, um ihren Mann Matt zu treffen, der dort einen Dokumentarfilm dreht. Doch die Polizei empfängt sie mit der entsetzlichen Nachricht, dass Matt weit oben im Polarkreis umgekommen ist. Das kann und will Yasmin nicht glauben. Zusammen mit der zehnjährigen Ruby macht sie sich auf eine lebensgefährliche Reise durch das ewige Eis, um ihn zu finden. Schneestürme, Lawinen, unpassierbare Straßen und die erbarmungslose Kälte sind dabei nur das kleinere Übel. Denn auf der Straße zu den Ölfeldern folgt ihren Reifenspuren ein zweiter Wagen, dessen Fahrer die weitaus größere Gefahr darstellt …

(6 CDs, Laufzeit: 7h 26m)


Autorin:
Rosamund Lupton studierte in Cambridge, arbeitete als Literaturkritikerin und schrieb zahlreiche Drehbücher für Film und Fernsehen. Gleich mit ihrem Romandebüt Liebste Tess wurde sie zur internationalen Bestsellerautorin mit Millionenauflage weltweit. Es wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Rosamund Lupton lebt mit ihrer Familie in London.


Sprecherin:
Tanja Geke ist eine vielbeschäftigte Schauspielerin, Synchron- und Hörbuchsprecherin. Sie leiht ihre ausdrucksstarke Stimme u. a. Eva Green und Maggie Gyllenhaal. Sie versteht es, eine Geschichte ebenso sinnlich wie dramatisch mit Leben zu füllen.

Quelle: Argon Verlag


Meine Meinung:
Die Stimme von Tanja Geke passt wirklich sehr gut zur spannungsgeladenen Story. Man hängt förmlich an ihren Lippen.
Es ist eine Geschichte um innere und äußere Ängste, um Familienbande und um Toleranz. Es ist nicht der klassische Krimi oder Thriller, sondern viel mehr eine Reise mit der Angst.
Eine Geschichte, in der das Fracking zum Thema gemacht wird und aufzeigt, welche Risiken diese Ölfördertechnik doch mit sich bringt.
Ich habe gerade mit Ruby mitgefiebert. Sie ist mir sehr ans Herz gewachsen. An kleineren Stellen zieht sich die Handlung etwas in die Länge. Das hätte man vielleicht doch etwas kürzen können. Ansonsten durchweg spannend und unterhaltsam.


Mein Fazit:
Von mir gibt es 4 von 5 Sternen, da es kleine Längen zwischendrin hat. Doch für Hörbuch-Fans, die gerne mal von den klassischen Wegen abweichen und sich von der Sprecherin mitnehmen lassen ins ewige Eis, ein tolles Hörerlebnis. Das Thema regt zum Nachdenken an. 


Bewertung:  4 von 5 Sternen

Freitag, 9. Dezember 2016

[Gastrezension] Monica Sabolo - Die goldenen Tage

Gastrezension von jenvo82


Monica Sabolo - Die goldenen Tage



Angaben zum Buch:
Titel: Die goldenen Tage
Autorin: Monica Sabolo
ISBN: 978-3-518-46721-3
Erscheinungsdatum: Oktober 2016
Preis: 10,00 EUR
Verlag: Suhrkamp


„Sie hatten ihre Geheimnisse voreinander, und so bildete sich eine Art Blase zwischen ihnen, die ein Serum voller Bitterkeit und Reue enthielt und bei all der Energie, die sie umgab, langsam aufzuplatzen drohte.“


Inhalt
Crans-Montana in den unbeschwerten 60-iger Jahren, in denen alles möglich scheint und die Welt für die Jugend geradezu offensteht. Dort finden sich drei Mädchen zu einer Clique zusammen, die von sämtlichen jungen Männern aus der Ferne bewundert wird und zu einer verheißungsvollen Zukunft gehört. Jeder träumt sich an die Seite einer dieser Schönheiten und versucht auf eigene Art und Weise das andere Geschlecht zu beeindrucken. Doch Charlie, Chris und Claudia (kurz die drei C´s) zeigen keinerlei Interesse an ihren Verehrern. Ihre Jugend spielt sich zwischen mondänen Partys, wilden Exzessen und einer schier unüberbrückbaren inneren Einsamkeit ab. Wie ein Eisberg bleiben sie als Einheit bestehen, obwohl das Leben jeder Einzelnen längst in viele kleine Splitter zerbrochen ist. 


Meinung
Dieser Roman aus der Feder der französischen Autorin Monica Sabolo, reiht sich so gar nicht in die typisch französische Leichtigkeit, den Charme und die hoffnungsfrohe Schreibweise vieler Landsleute ein. Hier findet man eher Melancholie gepaart mit Bitterkeit und einer fast depressiven Langzeitstimmung, die selbst die gewählte Ausdrucksweise nicht schmälern konnte. Während des Lesens habe ich mich gefragt, wie es zur Wahl des Buchtitels kam, denn der suggeriert das komplette Gegenteil vom Inhalt. Nach goldenem Glanz, erinnerungswürdigen Sehnsüchten und einer unbeschwerten Jugend sucht man bei den Mädchen aus Crans-Montana vergebens.

Die Autorin wählt verschiedene Erzählperspektiven, die sowohl die Bewunderer zu Wort kommen lässt, als auch die Bewunderten. Seltsamerweise sorgt diese Vielfalt an Eindrücken hier nicht für das allgemeine Leserverständnis. Denn alle Charaktere, wie genau sie auch beschrieben werden, bleiben seltsam blass und agieren nicht nur oberflächlich, sondern mitunter absolut unbegreiflich. Wie kann es sein, dass keiner dieser jungen Leute im später Leben einen Lichtblick hat, wie kann eine von Begehren und sexuellen Verheißungen geprägte Jugend, derart im Sande verlaufen? Leider konnte ich keine dieser Fragen beantworten. Hin und wieder nimmt die Erzählung Tempo auf, nur um sich sogleich wieder an Banalitäten festzubeißen und so schockiert mich hier weder der Drogenmissbrauch, noch die Lieblosigkeit der Protagonisten, noch ein tragischer Unglücksfall, der alle Hoffnungen zerstört.

Ganz besonders schade fand ich die erzeugte Melancholie, die hier viel zu früh in Verzweiflung und Lebensunlust umschlägt und jeglichen Hoffnungsschimmer begräbt. Kaum zu glauben, dass der Prozess des Erwachsenwerdens derart traurig und pessimistisch ausfällt und sowohl mit den familiären Hintergründen (fehlende Liebe des Elternhauses) als auch den Verheißungen der Zeit, keinen Fortschritt bringt. 


Fazit
Ich vergebe 2,5 Lesesterne (aufgerundet 3) für einen zeitgenössischen Roman, der meine Erwartungen nur bedingt erfüllen konnte. Einer der wenigen Pluspunkte ist die Schilderung einer Jugendbewegung, die im Glanz von Geld, Ansehen, Schönheit und Bewunderung nichts findet, was ihr bleibt, weil all ihre Werte erschreckend vergänglich sind. So setzt die Autorin für mich den Akzent auf ein Umdenken, auf die Betonung der Innerlichkeit, die bleibt, selbst wenn der Glanz des Äußeren vergeht.

Bewertung:  2,5 von 5 Sternen

[Gastrezension] Marc Elsberg - Helix

Gastrezension von Emotionen


Marc Elsberg - Helix





Angaben zum Buch:
Titel: Helix
Autor: Marc Elsberg
ISBN: 978-3-7645-0564-6
Erscheinungsdatum: Oktober 2016
Preis: 22,99 EUR
Verlag: blanvalet

Bei „Helix – Sie werden uns ersetzen“ handelt es sich um den neuesten Science-Fiction Thriller aus der Feder von Marc Elsberg. Von ihm habe ich bereits „Zero – Sie wissen, was du tust“ gelesen und genauso wie mich dieses Buch begeistert hat, konnte es auch sein neues.

Inhalt
Das Thema des Buches ist brandaktuell. Wir sind von genetischen Modifikationen umgeben, sei es in unserem Essen, unserer Kleidung, ... Pflanzen sollen widerstandsfähiger sein, Oberflächen vollkommen schmutzabweisend. An unserer Umwelt experimentieren wird seit langen herum, mittlerweile sogar an uns selbst. Die Auswirkungen, die das haben kann, schildert Marc Elsberg ausführlich in seinem Buch. Was passiert, wenn wir in das Erbgut von Embryos eingreifen? Was passiert, wenn wir moralische Grenzen neu definieren?


Autor
Marc Elsberg wurde 1967 in Wien geboren. Er war Strategieberater und Kreativdirektor für Werbung in Wien und Hamburg sowie Kolumnist der österreichischen Tageszeitung »Der Standard«. Heute lebt und arbeitet er in Wien. Mit seinen internationalen Bestsellern BLACKOUT und ZERO etablierte er sich auch als Meister des Science-Thrillers. Beide Thriller wurden von »bild der wissenschaft« als Wissensbuch des Jahres in der Rubrik Unterhaltung ausgezeichnet und machten ihn zu einem gefragten Gesprächspartner von Politik und Wirtschaft.


Charaktere
Das Buch besteht aus mehreren Haupthandlungen, die alle miteinander in Verbindung stehen. Dadurch war jede Person ein Protagonist seiner eigenen Geschichte. Das hat mir sehr gut gefallen und ich habe einen „richtigen“ Protagonisten auch nicht vermisst. Spannend war, dass viele Personen wussten worauf sie sich einließen, aber sie ließen sich trotzdem blenden von den vielen Versprechungen, die ihnen gemacht wurden. Jeder Charakter hat seine ganz eigene Art und Weise, die ihn von den anderen unterscheidet, das war mir sehr sympathisch.


Schreibstil
Das Buch passt zurzeit sehr gut zu unseren Biologieinhalten in der der Schule und den lateinischen Medizinbegriffen, die wir lernen. Mein Wissen wird daher nochmal gut aufgefrischt. Allerdings hat man kein Problem, als nicht Fachmann der Handlung zu folgen. Elsberg schafft es, genetische Manipulation anschaulich und verständlich in einen Thriller zu packen. Ich fühle mich weder wie ein Biologiestudent im Semester x noch wie ein Kleinkind, dem man versucht alles so einfach wie möglich, aber Vieles auslassend zu erklären. Das hat der Autor super hingekriegt! Der Schreibstil hat mir auf jeden Fall zugesagt und die Seiten fliegen bei Elsberg Büchern nur so dahin. Ein großes Lob an dieser Stelle!


Fazit
Wer sich für Gentechnik und Thriller interessiert, ist mit diesem Buch sehr gut beraten. Grundsätzlich schadet es aber bestimmt auch anderen nicht, dieses Buch zu lesen, denn Elsberg spricht ein wichtiges Thema an, das uns alle betrifft. Mit „Helix“ regt er zum Nachdenken an über unseren Drang perfekt zu sein und der Natur ein Schnippchen schlagen zu wollen. Und gerade wenn es um Menschen und ihre Gene geht, hält er der Gesellschaft einen Spiegel vor, die Menschen mit Behinderungen als schlechter als andere, als Fehler ansieht. Jeder Mensch ist wertvoll, egal welche Hautfarbe er hat, welcher Religion er angehört oder ob er ein Handicap hat oder nicht. Nur auf die Persönlichkeit kommt es an!


Bewertung
5 von 5 Sternen

Sonntag, 4. Dezember 2016

[Gastrezension] Isabelle Lehn - Binde zwei Vögel zusammen

Gastrezension von jenvo82


Isabelle Lehn - Binde zwei Vögel zusammen




Angaben zum Buch:
Titel: Binde zwei Vögel zusammen
Autorin: Isabelle Lehn
ISBN: 978-3-8479-0612-4
Erscheinungsdatum: Juli 2016
Preis: 18,00 EUR
Verlag: Eichborn by Bastei Lübbe


„Binde zwei Vögel zusammen, sie werden nicht fliegen können, obwohl sie nun vier Flügel haben.“


Inhalt
Albert ist freier Redakteur und hangelt sich nur mäßig erfolgreich durchs Leben, immer knapp an der Grenze zur Arbeitslosigkeit und auf der Suche nach dem Sinn seines Daseins. Als er auf eine Rekrutierungsmaßnahme aufmerksam wird, die gute Bezahlung bei kurzem Arbeitseinsatz verspricht, verpflichtet er sich für 6 Wochen, um in die Rolle eines gewissen Aladdins zu schlüpfen und mitten in einem bayrischen Trainingscamp, den Ernstfall Krieg zu proben. Doch nach seiner Rückkehr in das normale Leben erscheint ihm sein Job, seine Freundin, ja sein ganzes soziales Umfeld als fremd und er fühlt sich immer mehr wie Aladdin. Fast besessen von der Idee Aladdin, den es schon oft gab und der dennoch nicht existiert zu finden, zieht sich Albert immer mehr zurück. Bis er eines Tages erneut auf eine Annonce aufmerksam wird, diesmal geht es um Schiffbrüchige, die verzweifelt versuchen, das rettende Ufer zu erreichen …


Meinung
Isabelle Lehn, eine mir bisher unbekannte Autorin schafft mit diesem Roman ein sehr eindrucksvolles, wirklich beklemmendes Szenario zwischen Identitätsverlust und Sinnsuche, zwischen Ignoranz und Anteilnahme, zwischen Realität und Fiktion. „Binde zwei Vögel zusammen“ beschreibt den Weg eines jungen Mannes, der sich nicht sicher ist, was er möchte, der zweifelt, ob sein Leben wirklich das ist, was es zu sein scheint und ob er nicht genauso ersetzbar wie die Statistenrolle von Aladdin ist.

Sprachlich auf hohem Niveau, entführt uns die Autorin hinein in eine Welt, die aus den Fugen geraten ist, die nicht mehr gerecht agiert und die erst durch Überspitzung der Tatsachen zu dem wird, was sie wirklich ist – verkommen, elitär und irgendwie auch abstrakt. Besonders gut gelungen finde ich die distanzierte und doch intensive Erzählweise des Hauptprotagonisten Alberts, für den man zwar nur bedingt Verständnis aufbringen kann, der aber doch absolut konsequent und umsichtig handelt. Innerlich zerrissen, emotional aufgewühlt und schließlich angetan von einer alles verändernden Idee präsentiert sich dieser junge Mann, der stellvertretend für eine ganze Generation handelt. In kurzen Sequenzen, die zwischen der Zeit vor dem Trainingscamp, den fast realen Ereignissen im roten Sand des Lagers und der erschreckend nüchternen Gegenwart, erlebt der Leser eine Metamorphose der ganz besonderen Art. Hier wird gezeigt, wie schmal der Grat zwischen einem Leben in Freiheit und ohne kriegerische Bedrohung ist und dem Gegenstück nur wenige Kilometer vor der eigenen Haustür. Indirekt und zwischen den Zeilen bietet dieser Roman alles, was man braucht um eine Debatte auszufechten, Argumente zu suchen und Thesen zu belegen bzw. zu wiederlegen. Auf kurzen 192 Seiten stellt sich damit eine fühlbare Beklemmung ein, die den Leser an das Geschehen bindet, ohne wirklich ein absolutistisches Statement zu liefern. Auch dieser Aspekt konnte mich überzeugen, denn er lässt vieles offen und bringt doch Wahrheiten ans Licht.


Fazit
Ich vergebe sehr gute 4 Lesesterne für diesen ungewöhnlichen, sprachlich ansprechenden Roman jenseits des Mainstreams. Eine aktuelle Thematik, gepaart mit einer fiktionalen Handlung, die dennoch zahlreiche Parallelen zu unserem Leben aufwirft, konnte mich begeistern. Ich empfehle diesen zeitgenössischen Roman sowohl politisch als auch psychologisch Interessierten, die gerne reflektieren und Handlungen hinterfragen. Gesprächsstoff für einen gelungenen Meinungsaustausch bietet der Roman in Hülle und Fülle. Und wer sich tatsächlich die Frage stellt, ob er sein Leben zurückwill, so wie es war vor einer Zeit, in der man ein anderes Individuum war, findet hier ebenfalls Gehör.

Bewertung:  4 von 5 Sternen

Samstag, 3. Dezember 2016

[Gastrezension] Sabaa Tahir - Elias & Laia - Eine Fackel im Dunkel der Nacht

Gastrezension von jenvo82


Sabaa Tahir - Elias & Laia - Eine Fackel im Dunkel der Nacht




Angaben zum Buch:
Titel: Elias & Laia - Eine Fackel im Dunkel der Nacht
Autorin: Sabaa Tahir
ISBN: 978-3-8466-0038-2
Erscheinungsdatum: November 2016
Preis: 17,00 EUR
Verlag: ONE by Bastei Lübbe


Wer Fantasy liebt und auf der Suche nach einer spannenden, monumentalen Handlung ist, der wird mit dem zweiten Band aus der Feder von Sabaa Tahir vollends zufrieden sein, denn „Elias & Laia“ zählt für mich zu einer der besten Jugendbuchreihen der letzten Jahre.


Inhalt
Elias, die ehemalige Maske und Laia, ein einfaches Sklavenmädchen, deren Familie fast komplett ausgelöscht wurde, begeben sich gemeinsam auf die Reise quer durch ein Land, in dem der Krieg tobt und Hunger, Leid und Rachsucht dominieren. Beide haben nur einen Wunsch, sie müssen Laias Bruder Darin aus dem berühmten Gefängnis in Kauf befreien, denn er ist der Einzige, der ein Geheimnis kennt, welches das Imperium vor dem Untergang bewahren wird und die Kundigen des Landes befreien kann. Doch ihr Weg nach Kauf ist ein gefährlicher. Verfolgt vom Blutgreif des Imperators, abhängig von der Gunst der zersplitterten Stämme und angewiesen auf magische Kräfte bahnen sich die beiden einen Weg. Tod und Verlust begleiten sie unaufhörlich und Elias läuft die Zeit davon, denn seine barbarische Mutter, die selbst nach der Herrschaft des Landes trachtet hat ihn vergiftet und wenn es ihm nicht gelingt, das Gefängnis rechtzeitig zu erreichen, ruft die Welt der zerstörten Seelen, die Zwischenstatt mit lauter Stimme nach ihm.


Meinung
Zu Beginn des Jahres habe ich den ersten Band dieser Reihe mit Begeisterung gelesen und war nun ausgesprochen gespannt auf die Fortsetzung. Leider schwächeln viele Jugendbuch-Reihen ab dem zweiten Band, so dass ich nicht jede davon weiterverfolge. 

Ganz anders ist es hier. Die Charaktere sind bestens herausgearbeitet, die Protagonisten bereits aus dem Vorgängerroman bekannt, entwickeln sich hier zu ausgereiften Persönlichkeiten, die man meint zu kennen. Besonders positiv empfinde ich das Vermögen der Autorin aus einer eher mäßig abwechslungsreichen Handlung (schließlich ist das Thema der Befreiung, der einzige wirkliche Handlungsstrang und das auf gut 500 Seiten), ein wahres Feuerwerk an Ereignissen und Abenteuern heraufzubeschwören, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte.

Ebenso fulminant und andersartig empfinde ich die Wahl des Handlungsortes, die sowohl dystopisch als auch historisch zu sein scheint. Als Leser kann man Parallelen ziehen und lernt doch eine komplett andere, unbekannte Welt kennen. Selbst die Ausflüge ins Reich der Fantasy, die uns mit Toten kommunizieren lassen und magische Fähigkeiten wie Heilkräfte und Unsichtbarkeit heraufbeschwören sind so kompakt und schlüssig in das Gesamtkonzept eingebettet, dass sie einfach perfekt passen. 


Fazit
Ich vergebe volle Punktzahl mit 5 Lesesternen, denn mir hat der zweite Teil sogar noch besser als der erste gefallen und mit Freude habe ich gelesen, dass weitere Bände folgen werden. Diese Jugendbuchreihe eignet sich auch hervorragend für Erwachsene, weil sie teilweise sehr brutal angehaucht ist und subtile Stimmungen erzeugt, die viel mit Magie aber wenig mit klassischen Teenagerproblemen zu tun haben. Die Handlung erinnert mich an ein Epos, an Heldensagen und kriegerisch, dramatische Auseinandersetzungen. Hier wäre eine Verfilmung definitiv angebracht.


Bewertung:  5 von 5 Sternen

Montag, 28. November 2016

[Gastrezension] Paulo Coelho - Die Spionin

Gastrezension von jenvo82


Paulo Coelho - Die Spionin



Angaben zum Buch:
Titel: Die Spionin
Autorin: Paulo Coelho
ISBN: 978-3-257-06977-8
Erscheinungsdatum: November 2016
Preis: 19,90 EUR
Verlag: Diogenes Verlag


„Denn das habe ich immer gesucht: die Freiheit. Ich habe nicht die Liebe gesucht. Denn die Liebe kommt und geht – und ich habe ihretwegen Dinge getan, die ich nicht hätte tun sollen, und mich an Orte begeben, die ich besser gemieden hätte.“


Inhalt
Die schillernde Femme fatale Mata Hari, einst wunderschön und beneidet ebenso wie begehrt und berühmt schreibt aus dem französischen Gefängnis „Saint-Lazare“ einen Brief an ihren Anwalt, in Erwartung ihrer Strafe, die sich zwischen Begnadigung und Todesurteil entscheiden wird. Ein kurzer, skizzenhafter Abriss über ihr Leben, ihre Wünsche und Sehnsüchte ebenso wie getroffene Fehlentscheidungen, eine schriftliche Unschuldsbekundung und gleichermaßen ein bitteres Eingeständnis. Denn obwohl sie mitnichten eine deutsch-französische Doppelagentin im ersten Weltkrieg war, so lautete die Anklage, hat sie sich zahlreicher Verfehlungen hingegeben, deren einziger Initiator der Wunsch nach Anerkennung war. Und auch ihr Anwalt antwortet in einer Art Entschuldigungsschreiben, welches sie nicht mehr lesen wird, um ihr mitzuteilen, dass sie zur falschen Zeit am falschen Ort war und im gesamtpolitischen Hintergrundgeschehen keine gerechte Strafe erwarten könne. 


Meinung
Grundlegend muss ich sagen, dass Paulo Coelho zu einen meiner Lieblingsautoren zählt, der mich mit zahlreichen Romanen zum Nachdenken und Innehalten angeregt hat, schon allein deshalb war ich auf sein neues Buch so gespannt. Und schon nach den ersten Seiten des Buches wurde mir klar: hier gibt es zu wenig Platz, um die Geschichte rund um Mata Hari in allen Einzelheiten zu erzählen.

Umso treffender finde ich die Aussage, die der Autor im Nachwort des Romans liefert. Denn dieses Buch stellt nicht den Anspruch eine Biografie von Margaretha Zelle (später Mata Hari) zu sein, sondern fungiert eher als eine Art Einstieg, um vielleicht die Lust beim Leser zu wecken, genauere Recherchen anzustellen und sich ein eigenes Bild zu machen. Und das ist mit diesem wahrlich kurzen, skizzenhaften Briefroman sehr gut gelungen.

Coelho legt sein Augenmerk auf wenige, einschneidende Erlebnisse in Mata Haris Leben, die sie in die Arme der falschen Männer getrieben haben. Er setzt sich mit der Illusion auseinander, die eine Gefangene hat, die von ihrer Unschuld überzeugt ist. Er zeigt, wie sich ihr selbstgewähltes, exotisches Auftreten im Laufe der Jahre gegen sie gewandt hat, nachdem sie feststellen musste, dass es immer wieder hübschere, jüngere Tänzerin geben würde und ihr Stern am Himmel nicht unendlich strahlen würde. Glanz und Glamour hatten auch damals schon einen hohen Preis, insbesondere, wenn man fast blauäugig und an Selbstüberschätzung leidend versuchte, als emanzipierte Frau in einer männerdominierten Welt zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts, Fuß zu fassen. Dieser innere Zwang, es anderen zu beweisen und selbst im Angesicht des Todes eine gewisse Rolle zu spielen, hat mir die Person Mata Hari nähergebracht.

Der Schreibstil von Paulo Coelho liest sich flüssig und durch einige eingestreute Bilder und Zeitdokumente, wird der Text zusätzlich aufgelockert. Leider muss ich sagen, dass ich dieses Buch so gern gelesen habe, dass es mich schmerzt, wie wenig Textmaterial tatsächlich vorliegt. An so vielen Stellen hätte man in die Tiefe gehen können und gerade die historischen Zusammenhänge besser herausarbeiten können. 


Fazit
Ich vergebe 5 Lesesterne für einen interessanten, wenn auch kurzen biographischen Eindruck aus dem Leben einer selbstbewussten Frau. Ein Buch, welches mir die Person Mata Hari aus der Ich-Erzählperspektive heraus, schmackhaft machen konnte. Mein Interesse wurde auf jeden Fall geweckt. Zwischen den Zeilen verpackt der Autor seine Lebensweisheiten, die ich immer gerne herauslese, um sie mit meinen persönlichen Lebenserfahrungen zu vergleichen. Ein stiller, nachdenklich stimmender Roman, dem es leider an Umfang fehlte.  


Bewertung:  5 von 5 Sternen

Sonntag, 27. November 2016

[Rezension] Helga Glaesener - Wespensommer

Helga Glaesener - Wespensommer
(ich habe das Buch gelesen, zu kaufen ist mittlerweile nur noch das eBook)







Angaben zum Buch:
Titel: Wespensommer
Autorin: Helga Glaesener
ISBN: 978-3-548-60767-2
ISBN zum eBook: 978-3-843-70498-4
Erscheinungsdatum: Dezember 2007
Preis des eBooks: 7,99 EUR
Verlag: List by Ullstein



"Ich spotte nicht über die Liebe", sagte Rossi. "Die Göttin, die dieses Geschäft verwaltet, ist mir zu rachsüchtig."

Inhalt:
Florenz, 1780: Ein grausamer Mord, ein verschwundenes Kind und eine Ermittlerin wider Willen.

Weil sie den von der Familie ausgewählten Mann nicht heiraten will, wird die junge Florentinerin Cecilia Barghini nach Montecatini verbannt. Sie soll bei dem streitbaren Richter Enzo Rossi als Gouvernante arbeiten.Doch in dem scheinbar so verschlafenen Ort lauern Gefahren: Ein Mord geschieht, ein Kind verschwindet. Cecilia und Enzo müssen trotz aller Gegensätze zusammenarbeiten, wenn sie den Mörder rechtzeitig fassen wollen.


Autorin:
Helga Glaesener wurde in Niedersachsen geboren und studierte in Hannover Mathematik. 1990 begann die Mutter von fünf Kindern mit dem Schreiben historischer Romane, von denen gleich das Debüt, Die Safranhändlerin, zum Besteller avancierte. Sie lebt in Oldenburg.Neben ihrer Tätigkeit als Autorin arbeitet sie als Tutorin bei der Studiengemeinschaft Darmstadt, wo sie angehenden Autoren die Kniffe des Handwerks verrät. Seit 2010 lebt sie in Oldenburg. Weitere Informationen unter www.helga-glaesener.de 

Quelle: List Verlag


Meine Meinung:
Ein wunderschönes Cover mit einem Gefühl, als wäre man direkt in der Toskana.
Man lernt Cecilia kennen und ihre dominante Großmutter. Man schließt Cecilia sofort ins Herz und leidet gemeinsam mit ihr unter der Knute der Großmutter. Als sie dann zur Familie ihrer verstorbenen Cousine nach Montecatini kommt, läuft es auch nicht gerade einfacher für sie. Immer wieder gerät sie mit Enzo Rossi aneinander und das störrische Mädchen Dina, um dass sie sich kümmern soll, lässt sie auch verzweifeln. Sie will so schnell es geht von dort zurück in ihr geliebtes Florenz. Doch dann kommt alles anders als gedacht, denn eine übel zugerichtete Leiche wird entdeckt. Cecilia ist der stärkste Charakter im Buch und auch der einzig wirklich sympathische. Alle anderen schwimmen irgendwie mit.
Auf weiten Strecken ist das Buch wirklich spannend, allerdings haben mich die vielen italienischen Namen so verwirrt, dass ich mir teilweise nicht merken konnte um wen es da gerade eigentlich geht. An einigen Stellen, gerade im letzten Drittel des Buches, hat es kleine Längen, weil einfach keine neuen Informationen hinzukommen und man nur darauf wartet, dass der Eiertanz um die eigentliche Geschichte, endlich vorbei ist.
Mir ist leider bis zum Ende nicht ganz klar, was Enzos Vorgesetzter Lupori mit der ganzen Geschichte zu tun hat. Entweder war ich an diesen Stellen beim Lesen abgelenkt/müde oder man erfährt wirklich nur sehr wenig über die Beweggründe seines Verhaltens Enzo gegenüber. 


Mein Fazit:
Ein guter historischer Kriminalroman mit vielen schönen Ortsbeschreibungen, einer tollen Heldin und einem spannenden Fall. Allerdings mit zu vielen unbedeutenden Figuren und kleinen Längen am Ende. Trotzdem lesenswert und spannend.


Kleine Anmerkung am Schluss:

Pompadour = kleine Handtasche, wurde um 1800 Réticule genannt. Pompadour taucht erst im 19. Jh. in der Literatur auf. (somit hätte es hier im Buch wohl eher Réticule heißen müssen)


Bewertung:  3 von 5 Sternen

Dienstag, 22. November 2016

[Gastrezension] Cassandra Clare - City of Bones - Chroniken der Unterwelt - Band 1

Gastrezension von jenvo82


Cassandra Clare - City of Bones - Chroniken der Unterwelt - Band 1




Angaben zum Buch:
Titel: City of Bones - Chroniken der Unterwelt - Band 1
Autorin: Cassandra Clare
ISBN: 978-3-401-50260-1
Erscheinungsdatum: Januar 2011
Preis: 13,99 EUR
Verlag: Arena Verlag


"Willkommen in New York City – der coolsten Stadt der Welt – der Stadt, die niemals schläft. Denn hier sind die Kreaturen der Nacht unterwegs: Feen und Vampire, Engel und Dämonen. Und sie sind auf der Jagd …"


Inhalt
Vollkommen unbedarft gerät die 15-jährige Clary mitten hinein ins tödliche Chaos der Schattenwelt, in der es darum geht, Dämonen zu jagen und sie zu töten. Normalerweise können Sterbliche diese zweite Dimension gar nicht wahrnehmen, doch schon bald muss Clary erfahren, dass ihre Mutter selbst eine Schattenjägerin aus der Andernwelt war und ihr Vater einer der einflussreichsten Dämonenjäger überhaupt. Doch nun wurde ihre Mutter entführt und ihr Vater plant die Ausrottung aller Geschöpfe der Nacht, mit einem überaus zweifelhaften Ziel. Er will der alleinige Machthaber über das Reich der Dunkelheit werden. Gemeinsam mit ihren neuen Freunden, versucht Clary, das drohende Unheil abzuwehren und sieht sich dabei konfrontiert mit den abscheulichen Wahrheiten und Gesetzen der Unterwelt.



Meinung
Dieser Fantasyroman, der gleichzeitig der Debütroman der aus Teheran stammenden Autorin Cassandra Clare (ein Pseudonym) ist, lag schon geraume Zeit auf meinem SUB und wurde nun endlich aus seinem Dornröschenschlaf geweckt. Die Chroniken der Unterwelt erstrecken sich mittlerweile auf 6 Bände und eröffnen ein schier unglaubliches Repertoire weiterer Fantasyreihen wie „Magisterium“ oder die „Chroniken der Schattenjäger“. Der Auftakt zu dieser Reihe liest sich schon mal einprägsam und verbindet gekonnt Elemente eines Abenteuerromans, mit denen eines Jugendbuchs und natürlich der zauberhaften Magie und der gruseligen Geschöpfe aus dem klassischen Genre Fantasy.

Gemeinsam mit der Hauptprotagonistin Clary entdeckt man die geheime Unterwelt und wird nicht nur auf Zauberkräfte und Flüche aufmerksam gemacht, sondern erschließt sich ein ganz neues Universum. Diese Vielschichtigkeit fand ich äußerst gut gelungen und auch der wohldosierte Humor, der hier immer wieder zu finden ist, konnte mich für die Lektüre einnehmen. Kleine Kritikpunkte gibt es dennoch. Insbesondere die immense Fülle der Wesen aus der Schattenwelt ist hier fast etwas übertrieben, denn man findet sie allesamt gebannt auf nur wenige Quadratkilometer und ihre Artenvielfalt wirkt auf mich etwas beengend. Vampire, Werwölfe, Hexenmeister, Forsaken und viele andere liefern sich hier einen erbitterten Kampf um den Kelch der Engel, um Macht und Einflussreichtum sowie der Herrschaft über ihr düsteres Reich. Außerdem empfand ich sowohl Schreibstil als auch Inhalt sehr stark an einer jugendlichen Fangemeinde orientiert, so dass ich diesen Roman tatsächlich eher jüngeren Lesern ans Herz legen möchte, mir fehlte manchmal etwas Düsternes, tiefgreifende Geheimnisse und mehr Tiefgang. 


Fazit
Ein gelungenes Romandebüt und eine abenteuerliche Reise quer durch die Schattenwelt von New York City, konnten mich durchaus überzeugen. Trotz der Tatsache, dass ich nicht zur Stammgemeinde von Liebhabern des Genres Fantasy gehöre, habe ich das Buch gerne gelesen. Die Reihe selbst werde ich aber nicht weiterverfolgen. Das Buch wandert jetzt in die Hände meiner Tochter, dort wird es wohl mehr Anklang finden.

Bewertung:  4 von 5 Sternen

[Gastrezension] Grégoire Delacourt - Die vier Jahreszeiten des Sommers

Gastrezension von jenvo82


Grégoire Delacourt - Die vier Jahreszeiten des Sommers




Angaben zum Buch:
Titel: Die vier Jahreszeiten des Sommers
Autorin: Grégoire Delacourt
ISBN: 978-3-455-60041-4
Erscheinungsdatum: Juli 2016
Preis: 18,00 EUR
Verlag: Atlantik Verlag


Vier Lieben, vier Leben – ein Sommer.


Inhalt
Ein französischer Strand, an dem sich Jahr für Jahr das Sommerleben verschiedener Menschen abspielt, die immer gleichen Bewegungsabläufe, die ähnlichen Hoffnungen, Wünsche und Probleme und das Meer, welches vieles relativiert, manches hervorlockt und einiges wegwischt. Am 14. Juli 1999 sind am Strand von Le Touquet im Norden von Frankreich vier verschiedene Personen, die sich nicht kennen, die alle ein anderes Alter haben und die der Zufall dennoch irgendwie verbindet. Sie sind die Gesichter der Liebe, in jungen Jahren, im Erwachsenenalter, im zweiten Frühling ihres Lebens und im Alter. Sie stehen gleichbedeutend für Sehnsucht, Begehren, Enttäuschung, Hoffnung, Neuanfang und Ewigkeit. 


Meinung
Ich bin froh, mit diesem kleinen aber feinen Roman ein Juwel des französischen Autors Grégoire Delacourt kennengelernt zu haben, welches emotional, liebenswürdig, feinsinnig und mitreißend zugleich ist. Eine ganz klare Struktur schafft hier den Erzählrahmen, bei dem der Leser aus vier Perspektiven etwas über den Sommer der Liebe am Strand von Touquet erfährt. Egal ob man den sehnsuchtsvollen Blick des Teenagers spürt oder die enttäuschte Mittdreißigerin kennenlernt, die nie den Richtigen getroffen hat, immer findet der Leser neue Ansatzpunkte, die ebenso flüssig wie bekannt erscheinen und nichts weiter sind als einfache Lebensbetrachtungen. Und dennoch verbirgt sich hinter der simplen Beschreibung diverser Gefühlsregungen das ganze Leben.

Besonders gelungen finde ich die zufällig wirkende Verkettung der Protagonisten, die sich im Roman dadurch begegnen, dass sie zur gleichen Zeit am gleichen Ort aufhalten und von den anderen wahrgenommen werden, als das, was sie sind oder zu sein scheinen. Dadurch entsteht ein runder, in sich geschlossener Roman der den Leser mitnimmt zu den Grundsätzen seines Lebens, zu den vergessenen oder wiederentdeckten Gefühlen. Im Mittelpunkt steht hier nicht ein einzelner Charakter, noch nicht einmal ein Menschenleben sondern vielmehr die Liebe und ihre zahlreichen Schattierungen im Verlauf der Zeit. Mühelos könnte man weitere Geschichten einfügen und hätte die Grundaussage dadurch dennoch nicht verändert.


Fazit
Ich vergebe 5 Lesesterne und eine eindeutige Leseempfehlung für alle, die französische Erzählkunst mögen und sich gerne in andere Menschen hineinversetzen oder auch nur Berührungspunkte zwischen sich selbst und den Romanfiguren suchen. Dieser Roman bietet nicht nur eine in sich geschlossene Erzählung über die Facetten der Liebe, sondern auch die Möglichkeit Dinge und Handlungen zu hinterfragen und sich wichtigen Lebensfragen zu stellen. Außerdem berührt er das Herz des Lesers, weil man doch zu gerne an das Gute, das Vorherbestimmte, das Besondere glauben mag, an die Einzigartigkeit der Liebe und die Unendlichkeit der Gefühle. Vielleicht ist es auch eine Lektüre für Idealisten, die gerne so bleiben möchten, wie sie sind.

Bewertung:  5 von 5 Sternen

Montag, 21. November 2016

[Rezension] Jeffrey Archer - Das Vermächtnis des Vaters

Jeffrey Archer - Das Vermächtnis des Vaters


Mein Dankeschön geht an das Bloggerportal und Random House Audio für das Zurverfügungstellen dieses wunderbaren Hörbuchs.




Angaben zum Hörbuch:
Titel: Das Vermächtnis des Vaters
Autor: Jeffrey Archer
Sprecher: Erich Räuker
ISBN: 978-3-8371-3588-6
Erscheinungsdatum: September 2016
Preis: 14,99 EUR
Verlag: Random House Audio


Inhalt:
Harry Clifton, aufgewachsen bei den Hafendocks in Bristol, und Giles Barrington, Nachkömmling einer großen Schifffahrt-Dynastie, verbindet seit ihrer Jugend eine tiefe Freundschaft. Aus der Enge des Arbeitermilieus hat Harry es auf eine Eliteschule geschafft und steht als junger Mann jetzt an der Seite seiner großen Liebe Emma, der Schwester von Giles. Mit dem Eintritt Englands in den Zweiten Weltkrieg 1939 werden die Schicksale beider Familien erschüttert. Giles gerät in Kriegsgefangenschaft und Harry verschlägt es von Bristol nach New York, wo er eines Mordes angeklagt und verhaftet wird. Emma, macht sich auf, um den Mann zu retten, den sie liebt ... 

Erich Räuker entführt den Hörer mit seiner wunderbaren Stimme in die Welt der Clifton-Saga.

(2 mp3-CDs, Laufzeit: 9h 27)


Autor:
Jeffrey Archer, geboren 1940 in London, verbrachte seine Kindheit in Weston-super-Mare und studierte in Oxford. Archer schlug eine bewegte Politiker-Karriere ein, die bis 2003 andauerte. Weltberühmt wurde er als Schriftsteller. Archer verfasste zahlreiche Bestseller und zählt heute zu den erfolgreichsten Autoren Englands. Sein historisches Familienepos Die Clifton-Saga stürmt auch die deutschen Bestsellerlisten und begeistert eine stetig wachsende Leserschar. Archer ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt in London und Cambridge.


Sprecher:

Erich Räuker, geb. 1953 in Bückeburg, ist ein viel beschäftigter Sprecher für Funk, Film und Fernsehen. Er synchronisierte Eric Bana in Troja, Alec Baldwin in Nürnberg, Javier Bardem in Goyas Geister oder Richard Dean Anderson als Colonel O´Neill in Stargate. Einem großen Publikum ist er außerdem als die deutsche Stimme von Saul Berenson in Homeland oder Robert Crawley in Downton Abbey bekannt und in zahlreichen Hörspielen und Dokumentarfilmen zu hören. Seit 2008 betreibt Erich Räuker das weltenton - Studio im Süden Berlins und gründete 2011 den gleichnamigen, produzierenden Verlag mit Schwerpunkt Hörbücher und Musik.


Quelle: Random House Audio


Meine Meinung:
Auch bei Band 2 wird wieder aus den verschiedenen Perspektiven erzählt. Man erfährt wie es mit Harry, Emma, Giles, Hugo und Maisey weitergeht. Intrigen werden gespannt, Hoffnung wird geschürt und Mut wird bewiesen. Gerade mit Emma habe ich die ganze Zeit gehofft und gebangt. Sie hat unglaublich viel Mut bewiesen. Und einen unfassbar starken Willen.
Auch in diesem 2. Band sind die einzelnen Charaktere unglaublich toll beschrieben und dadurch so lebendig. 
Eine unglaublich spannende Geschichte, toll gesprochen von Erich Räuker, den ich auch in diesem Teil wieder klasse fand. Und das Ende war so spannend, dass ich gleich wissen will, wie es weitergeht.


Mein Fazit:
Ein würdiger Nachfolger des ersten Bandes, wirklich sehr spannend. Man erfährt mehr über die Zeit während des 2. Weltkriegs und das Leben in Bristol. Ein toller Sprecher. Absolut hörenswert! 


Bewertung:  5 von 5 Sternen

Samstag, 19. November 2016

[Gastrezension] Cynthia D'Aprix Sweeney - Das Nest

Gastrezension von jenvo82


Cynthia D'Aprix Sweeney - Das Nest




Angaben zum Buch:
Titel: Das Nest
Autorin: Cynthia D'Aprix Sweeney
ISBN: 978-3-608-98000-4
Erscheinungsdatum: November 2016
Preis: 19,95 EUR
Verlag: Klett-Cotta Verlag


„Früher hatte er immer irgendetwas auf die Beine stellen können, hier an diesem idealen Ort des Vermeidens, hatte immer mit zig Sachen gleichzeitig jongliert, bis alles nach und nach in sich zusammenfiel und er sich schnell nach etwas anderem umsah, aber das hier fühlte sich anders an.“


Inhalt
Die vier Geschwister der Familie Plumb spekulieren schon geraume Zeit auf ihr finanzielles Polster in Form einer Erbschaft, deren Auszahlung lediglich an den 40. Geburtstag der jüngsten Schwester Melody gebunden ist. Liebevoll nennen sie die Hinterlassenschaft „Das Nest“ und ruhen sich mehr oder weniger darauf aus. Umso ärgerlicher für drei der Geschwister, dass der Älteste kurz vor Ablauf der Frist einen Unfall baut, bei dem er in Schadensersatzpflicht genommen wird und dringend Geld benötigt. Die Mutter nimmt kurzerhand das Geld vom vollen Bankkonto, um ihren Sohn aus der misslichen Lage zu befreien. Doch damit tritt sie eine wahre Lawine los, die alle schlechten und guten Charaktereigenschaften ihrer Kinder ans Licht bringt und die bange Frage in den Raum stellt: „Wie kommen wir schnell und unkompliziert an unser Geld?“


Meinung
In ihrem Debütroman greift die amerikanische Autorin Cynthia D´Aprix Sweeney zu einem ganz klassischen, immer wieder präsenten Thema - dem Geld. Wie es im echten Leben auch passieren könnte, streiten sich hier vier Geschwister um ihren Anteil am Familienerbe, wobei jeder einen anderen, immens wichtigen Verwendungszweck für die finanzielle Unterstützung hätte. Doch gnadenlos schlägt das Leben zu und verschlingt das Polster für einen absolut unnötigen Fehltritt, den einer der Beteiligten fahrlässig verursacht hat.

Die vier Hauptprotagonisten werden intensiv und facettenreich beschrieben, ihre Geheimnisse und Wünsche stehen immer im Mittelpunkt des Geschehens, so dass der Leser sehr bald weiß, dass der Älteste Leo als „Schwarzes Schaf“ auserkoren wurde und seine zahlreichen Liebesaffären, gefolgt von einem Drogenproblem und ominösen finanziellen Machenschaften die Familienidylle nachhaltig zerstört hat. Daneben existiert noch der homosexuelle, bei weitem nicht so attraktive Zweitgeborene Jack, die erfolglose aber vernünftige große Schwester Beatrice und das Nesthäkchen Melody, die als Mutter von Zwillingen zur Hochform aufläuft. Jeder befindet sich in einer Art Mikrokosmos, in dem er sich selbst nicht nur am Nächsten steht, sondern ganz klare Ansprüche an einen gehobenen Lebensstandard stellt und das Recht auf ein sorgenfreies Leben gepachtet hat. Niemand ist bereit, die lang gehegten Illusionen ad acta zu legen und sich auf ein freundliches Miteinander einzustellen.

Trotz der bisher sehr positiven Kritiken kann ich diesem Roman, der in der New Yorker Upper Class angesiedelt ist, kaum etwas abgewinnen. Ganz besonders die geschilderten Lebensumstände, bei denen es fast nie um echte Werte geht, sondern oft nur um Selbstverwirklichung, Prestige, öffentlichem Ansehen und die Meinung anderer über das eigene Lebensmodell haben mich befremdet. Aber auch die Vehemenz der Protagonisten, ihre Selbstdarstellung und die Interaktion zwischen den Geschwistern hat mich einfach nicht gereizt. Sowohl der zähflüssige Handlungsverlauf als auch die vielen angerissenen Nebenhandlungen schmälerten mein Lesevergnügen, so dass ich spätestens zur Hälfte des Buches darauf gewartet habe, dass etwas passiert, was mich fesseln kann.

Der Schreibstil selbst ist flüssig und elegant und bedient sich ansprechender Formulierungen. Leider entsprach die erzählte Geschichte nicht meiner Erwartungshaltung.


Fazit
Ich vergebe drei Lesesterne für diesen gesellschaftskritischen Unterhaltungsroman, der sich mit menschlichen Verhaltensweisen auseinandersetzt und die Interaktion von Familienmitgliedern im Umgang mit finanziellen Werten beleuchtet. Gerade weil mir die handelnden Personen allesamt fremd blieben und ihre Lebensansichten so eigen waren, konnte der Funke nicht überspringen. Andererseits schafft es die Autorin ein sehr vielschichtiges Menschenporträt zu entwerfen, welches deutlich zeigt, welche Motivation den Einzelnen antreibt und das es im Leben mehr geben kann als den schnöden Mammon.

Bewertung:  3 von 5 Sternen

[Gastrezension] Peter Stamm - Weit über das Land

Gastrezension von jenvo82


Peter Stamm - Weit über das Land





Angaben zum Buch:
Titel: Weit über das Land
Autorin: Peter Stamm
ISBN: 978-3-10-002227-1
Erscheinungsdatum: Februar 2016
Preis: 19,99 EUR
Verlag: S. Fischer Verlag


"Nicht alles, was man tut, hat einen Grund. Es war kein großer Entschluss gewesen, eher eine Reihe kleiner, zielloser Entscheidungen, Nachlässigkeit vielleicht, ein Nachgeben."


Inhalt
Eines Abends, kurz nach der Rückreise aus dem gelungenen Sommerurlaub, beschließt Thomas, nicht nach drinnen ins Bett zu gehen, sondern hinaus in die Welt. Er läuft los, ohne ein Wort des Abschieds und verlässt nicht nur Frau und Kinder sondern auch sein gesamtes bisheriges Leben. Für die Hinterbliebenen bleibt nur Ursachenforschung und gähnende Leere, denn gerade Astrid, seine Frau findet keine Erklärung für sein Verhalten und kann es dennoch tief im Inneren nachvollziehen. Als er offiziell für tot erklärt wird, mag sie nicht daran glauben und behält Thomas auf eigene Art und Weise in ihrem Herzen.


Meinung
Dieses Buch habe ich ohne besondere Erwartungshaltung begonnen, da ich weder den Autor kannte, noch ein Augenmerk auf den Deutschen Buchpreis hatte. Einzig die Geschichte an sich, so wie sie der Klappentext verspricht, reizte mich ungemein. Insbesondere die Aussage "Ein Roman über den einen Moment, der unser Leben in Frage stellt", weckte meine Neugier. Denn ich spekuliere sehr gerne über das Für und Wider einer Entscheidung und genau das, kann man hier tatsächlich.

Auf recht wenigen Seiten entwirft Peter Stamm ein derart greifbares Szenario in einer schockierenden, lebensverändernden Situation, so dass ich zwischen Mitleid, Verzweiflung und Unverständnis hin und herpendelte. Gerade die durchaus banale Entscheidung, einfach aus der Tür zu gehen und niemals wieder zurückzukehren, entfacht eine unmittelbare Kettenreaktion, die gerade die Angehörigen nachhaltig und bitter beeinflusst. 

Beim Lesen habe ich immer wieder innegehalten und versucht, die Beweggründe der Protagonisten nachzuvollziehen, doch das ist mir nicht gelungen. Sowohl der entschlossene, doch unzufriedene Thomas als auch die patente, doch zurückgelassene Astrid blieben mir immer recht fremd, dennoch hat mich dieser Abstand nicht gestört, denn die Hauptcharaktere handeln schlüssig und werfen mit ihren Handlungen immer neue Fragen auf, denen man nur zu gern nachgehen würde. Auf Grund dieses Aspektes sehe ich auch eine Berechtigung darin, diesen Roman beispielsweise als Unterrichtslektüre zu wählen, denn kontroverse Diskussionen werden sich fast zwangsläufig ergeben.

Ein kleiner Kritikpunkt meinerseits sind die ausufernden Landschaftsbeschreibungen, die gerade bei der geringen Seitenanzahl des Buches manchmal zu viel Raum einnehmen und den Blick auf die Gefühle und Gedanken der Protagonisten schmälern. 


Fazit
Ich vergebe 5 Lesesterne und eine Leseempfehlung, für alle die sich gern mit unliebsamen Entscheidungen, einem aufgezwungenen Schicksal und der Möglichkeit, das eigene Leben radikal zu verändern, beschäftigen möchten.

 Es fällt schwer die Situation objektiv zu betrachten, selbst wenn Peter Stamm sehr distanziert und korrekt schreibt. Immer wieder fällt der Leser in eine Rolle hinein - in die des sinnsuchenden Vaters, der verlassenen Ehefrau, der enttäuschten Kinder und letztlich bleibt er hängen an der Tatsache, dass nicht alles im Leben einen Sinn haben muss. Und selbst wenn man keine müde Mark auf diese Aussage setzt, wird man hier gezwungen, darüber nachzudenken, was sein könnte, was wirklich ist und was niemals geschehen wird. Dieses Dilemma verkörpert "Weit über das Land" und wird mir damit lange und nachhaltig in Erinnerung bleiben.

Bewertung:  5 von 5 Sternen