Mittwoch, 31. August 2016

[Gastrezension] Lisa O'Donnell - Die Geheimnisse der Welt

Gastrezension von jenvo82


Lisa O'Donnell - Die Geheimnisse der Welt






Angaben zum Buch:
Titel: Die Geheimnisse der Welt
Autorin: Lisa O'Donnell
ISBN: 978-3-8321-9779-7
Erscheinungsdatum: Juli 2015
Preis: 18,99 EUR
Verlag: DUMONT




„Es ist furchtbar, wenn man zu viel über jemanden weiß. Man kommt sich vor wie ein Lügner, weil man so tun muss, als wüsste man nichts, dabei weiß man alles, einfach alles.“


Inhalt
Michael Murray führte bisher ein recht normales Leben als 11-jähriger, geprägt von netten Freunden, nervigen Nachbarsmädchen und seiner großen Leidenschaft, dem Fußball spielen. Doch als seine Mutter zum Opfer eines Verbrechens wird, ändert sich seine kleine heile Welt elementar. Plötzlich wird er aus den Erwachsenengesprächen ausgeschlossen, obwohl er das Weinen der Mutter hört, die wütenden Ausbrüche des Vaters mitbekommt und die Hilflosigkeit seiner Eltern gegenüber der veränderten Situation. Alle schicken ihn weg und schließen ihn aus. Doch die Situation spitzt sich weiter zu, nachdem die Nachbarschaft das geschundene Gesicht seiner Mutter wahrgenommen hat und diese behauptet „gestürzt“ zu sein. Plötzlich glaubt alle Welt, sein Vater wäre der brutale Schläger, der seine Ehefrau misshandelt. Michael macht sich daran die Wahrheit herauszufinden und lernt dabei nicht nur etwas über die Kraft und die Verunsicherung einer Lüge, sondern auch über die Frage nach echter Schuld und bloßen Vorwürfen.


Meinung
Nach ihrem Debütroman „Bienensterben“, der mir bereits ausgesprochen gut gefallen hat, legt Lisa O`Donnell wieder einen emotional packenden Roman über die dunklen Seiten eines normalen Familienlebens vor. Dabei wählt sie eine sehr interessante Erzählperspektive und verwendet viel Zeit und Detailtreue darauf, sich auf die Ebene des Hauptprotagonisten einzulassen. So bekommt der Leser alles Wissen, sämtliche Vorfälle und auch deren Auswirkungen so geschildert, als hätte all dies tatsächlich ein heranwachsender Schuljunge erlebt. Gerade diese Sicht auf die Dinge macht das Buch so besonders und schenkt auch traurigen Situationen ein klitzekleines Stück Humor, weil man als Teenager anders tickt als später.

Sehr ansprechend und glaubwürdig wird die Rahmenhandlung in einer Kleinstadt mit ihren allzu neugierigen Bewohnern geschildert, die gerade am Leid anderer Menschen ihren Unterhaltungswert und das gesamte Weltbild festmachen. Klatsch und Tratsch sorgen dafür, dass auch ein Schicksalsschlag nicht im Geheimen bleiben wird und das die öffentliche Ächtung oder das kollektive Mitleid ganz wesentliche Faktoren im Leben sein können, denen man als Individuum erst einmal gewachsen sein muss.


Fazit
Ich vergebe 4,5 Sterne für diesen unterhaltsamen, nachdenklich stimmenden Roman, der mich oft zum Lachen gebracht hat und gleichzeitig eine subtile Art der Beklemmung zurückließ. Empfehlenswert ist das Buch auch für jüngere Leser, die sich in den Gedanken des Ich-Erzählers vielleicht sogar wiedererkennen. Ein wichtiges Buch über den Zusammenhalt einer Familie und ihren Kampf gegen die Ungerechtigkeit. Berührend, einprägsam und erfrischend anders.           


Bewertung:  4,5 von 5 Sternen

Dienstag, 30. August 2016

[Rezension] Anne Sanders - Sommer in St. Ives

Anne Sanders - Sommer in St. Ives


Mein Dankeschön geht an das Bloggerportal und blanvaletfür das Zurverfügungstellen dieses wunderbaren Taschenbuchs.






Angaben zum Buch:
Titel: Sommer in St. Ives
Autor: Anne Sanders
ISBN: 978-3-7645-0546-2
Erscheinungsdatum: Mai 2016
Preis: 14,99 EUR
Verlag: blanvalet Verlag



"Wege entstehen, indem man sich traut, sie zu gehen."


Klappentext:
Alte Liebe. Neues Glück. Und ein verrückter Sommer in Cornwall ...

Lola Lessing stehen turbulente Wochen bevor: Gemeinsam mit ihren Eltern und ihren Geschwistern reist die junge Frau nach Cornwall, um ihrer Großmutter Elvira einen letzten Wunsch zu erfüllen. Denn Elvira möchte ihre Lieben noch einmal um sich haben, und zwar in dem charmanten Fischerdorf St. Ives, wo sie den glücklichsten Sommer ihres Lebens verbrachte. Niemand ahnt, dass Elvira hier einst ihre große Liebe gefunden hatte — und dass die ganze Familie kurz davor steht, in Elviras geheimnisvolle Vergangenheit einzutauchen und den überraschendsten Sommer ihres Lebens zu verbringen …


Autorin:
Anne Sanders lebt in München und arbeitet als Autorin und Journalistin. Zu schreiben begann sie bei der Süddeutschen Zeitung. Als Schriftstellerin veröffentlichte sie unter anderem Namen bereits erfolgreich Romane für jugendliche Leser. Die Küste Cornwalls begeisterte Anne Sanders auf einer Reise so sehr, dass sie spontan beschloss, ihren Roman Sommer in St. Ives dort spielen zu lassen. Dieser eroberte die Herzen der Leserinnen und war wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste.



Meine Meinung:
Als Erstes möchte ich das unglaublich schöne und gemütlich wirkende Cover loben. Mir gibt es sofort ein maritimes Shabbychic-Gefühl und ich bin sofort in Cornwall angekommen. Genauso stelle ich mir den kleinen Fischerort St. Ives vor. Und mein Herz blühte gleich beim Öffnen auf, weil die Paperback Klappbroschur innen mit den tollen Deko-Segelboot genauso schön und einladend wirkt, wie auf dem Cover selbst.
Jetzt aber zum Inhalt. Man lernt Lola und ihre Familie kennen. Ein recht bunter Haufen. Zu Beginn versteht man nicht so recht, warum alle gemeinsam für 6 Wochen in ein kleines Örtchen in Cornwall reisen, obwohl sie alle so verschieden sind und keiner so richtig mit dem anderen klar kommt. Doch nach und nach, lernt man alle Familienmitglieder besser kennen und lieben. Jeder für sich, eine liebenswerte Person und man versteht den Zusammenhalt der Familie.
Kein Mitglied dieser Chaosfamilie ist perfekt, alle haben ihre Fehler, aber genau das, macht sie so liebenswert. Die emotionale Geschichte in diesem Buch wächst von Seite zu Seite und man hat am Ende das Gefühl dazuzugehören.
Eine Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen, man muss oft schmunzeln oder leidet manchmal auch ein bisschen mit den Figuren. Mich hat das Buch definitiv von der ersten Seite an erwischt und nicht mehr losgelassen.


Mein Fazit:
Dieses Buch lebt von den starken Charakteren und der Emotionalität jedes einzelnen. Es wirkt keineswegs überzogen und so hat man das Gefühl, dieser bunte Haufen könnte auch locker die eigene Familie sein.


Bewertung:  5 von 5 Sternen

Sonntag, 28. August 2016

[Buchvorstellung] Irene Scharenberg - Doch der Tod wartet nicht

Irene Scharenberg - Der Tod wartet nicht

Kriminalroman aus dem Ruhrgebiet






»Aber dat dieser junge Mann immer nur aufgetaucht ist, wenn Herr Schaneck nich zu Hause war, dat muss einem doch zu denken geben«, so kombiniert Annegret Wörtmann messerscharf. Sie kennt sich aus, sie guckt nicht nur in Nachbars Garten, sondern auch jeden Krimi im Fernsehen. Nun, da Schaneck tot ist, ermordet mitten auf der Beecker Kirmes, kann sie der Duisburger Kripo wertvolle Hinweise geben.


Mehr dazu findet ihr hier ...

[Gastrezension] Cornelia Funke - Reckless - Das goldene Garn

Gastrezension von jenvo82


Cornelia Funke - Reckless - Das goldene Garn






Angaben zum Buch:
Titel: Reckless - Das goldene Garn
Autor: Cornelia Funke
ISBN: 978-3-7915-0496-4
Erscheinungsdatum: Februar 2015
Preis: 19,99 EUR
Verlag: Dressler




„Ob Pflanze, Tier oder Mensch – das Leben zwang jeden, zu lernen und zu wachsen. Je öfter man davor davonlief, desto schwerer wurde der Weg. Und gehen musste man ihn trotzdem.“


Inhalt
Jacob Reckless und sein Bruder Will erleben auch im dritten Band der Reckless-Reihe von Cornelia Funke viele magische Abenteuer in der zauberhaften Welt hinten dem Spiegel. Während der jüngere Bruder Will sich in die Spur setzt, um die Dunkle Fee, die verschmähte Geliebte des Königs zu töten. Verfolgt der ältere beharrlich seinen Bruder um genau das zu verhindern. Doch beide müssen auf ihrem Weg mit zahlreichen Unterbrechungen und unliebsamen Überraschungen rechnen. Und dann erfahren sie mehr über das goldene Garn, ein magisches Mittel, welches eine Spinne webt, um ein Band aus Liebe und ewiger Zuneigung zu schaffen. Will und Jacob werden die Spielfiguren in den Händen eines berechnenden Magiers, dessen wahre Ziele sie erst sehr spät durchschauen.  


Meinung
Cornelia Funke entführt den Leser wieder in ihre zauberhafte Märchenwelt, mit den düsteren Landschaften, den geheimen Wesen und den dunklen Mächten. In wunderschönen Bildern entwirft sie eine einmalige, magische Landschaft mit sehr speziellen Wesen und mutigen Protagonisten, die sich den schwierigen Herausforderungen stellen und voller Herzblut für Gerechtigkeit, Liebe und das Gute kämpfen. Bemerkenswert ist in erster Linie die Erzählweise, die sprachlich direkt dort angesiedelt ist, wo die Geschichte spielt, in den Tiefen einer besonderen Welt. Dadurch fühlt sich der Leser direkt in die Geschichte hineinversetzt und reist gemeinsam mit den Brüdern Reckless durch ihre Spiegelwelt.

Leider konnte mich die Geschichte nur bedingt fesseln, da sie einfach sehr handlungsarm ist. Die tatsächlichen Ereignisse beschränken sich auf ein Minimum und benötigen viel Zeit, um überhaupt in Schwung zu kommen. Fragen die zu Anfang des Buches aufkommen, werden bis zum Schluss nicht geklärt und die Beweggründe der handelnden Personen erscheinen sehr schwammig. Mal ist es die Liebe, mal die Suche nach Schätzen, dann wieder der Wunsch nach Rache, doch egal wer welchen Grund angibt, keiner scheint die letzte Konsequenz zu ziehen. Dadurch verliert sich die Erzählung in unnötigen Längen und verliert an Reiz. Das offene Ende des Buches lässt auch Platz für die Vermutung, dass es einen weiteren Band der Reckless-Reihe geben wird.


Fazit
Trotz zahlreicher, begeisterter Rezensionen vergebe ich leider nur drei Lesesterne, denn für mich handelt es sich hier um ein eher durchschnittliches Leseerlebnis. Positiv hervorheben möchte ich die Erzählkunst der Autorin, der es zu verdanken ist, dass mich das Buch in fremde, fantastische Welten entführen konnte. Deshalb möchte ich unbedingt noch ein weiteres Werk von Frau Funke kennenlernen. Ich empfehle diesen Fantasy-/ Jugendroman für Leser, die Märchen lieben und Interesse an Geschichten haben, die viel Freiraum für eigene Phantasien lassen.
            

Bewertung:  3 von 5 Sternen

Donnerstag, 25. August 2016

[Gastrezension] Dorit Rabinyan - Wir sehen uns am Meer

Gastrezension von jenvo82


Dorit Rabinyan - Wir sehen uns am Meer






Angaben zum Buch:
Titel: Wir sehen uns am Meer
Autor: Dorit Rabinyan
ISBN: 978-3-462-04861-2 
Erscheinungsdatum: August 2016
Preis: 19,99 EUR
Verlag: Kiepenheuer & Witsch




"Das ist nur ein langer Traum, den ich mit dir träume. Die Wahrheit ist, dass ich nicht mutig genug bin."


Inhalt
Als sich Liat und Chilmi fernab von zu Hause treffen, entflammt zwischen ihnen eine intensive, alles vereinnahmende Liebe. Aus einer zufälligen Begegnung wird eine wunderbare Liebesnacht und daraus eine erfüllende Beziehung. Doch über ihren Köpfen schwebt ein Damoklesschwert, denn schon in wenigen Monaten wird Liat wieder nach Israel zurückkehren und dorthin kann sie den Araber Chilmi nicht mitnehmen, denn eine Liebe oder Beziehung zwischen den beiden wäre ein Eklat. Liat ist sich dieser Differenz vom ersten Moment an bewusst, doch sie hält an ihren Gefühlen fest, solange sie kann. 


Meinung
Mich hat dieser Roman sehr fasziniert, weil er bereits im Klappentext von einer Liebe spricht, die keine Zukunft hat und so wollte ich unbedingt wissen,  warum das so ist. Tatsächlich verbreitet die Autorin eine intensive Atmosphäre, geprägt von starken Gefühlen, bitteren Wahrheiten und ernsthaften Problemen. 
Der Nahost-Konflikt wird auf die persönliche Ebene übertragen und wirkt dadurch viel näher und akuter. Schwer vorstellbar für unseren Kulturkreis, existiert zwischen den beiden Liebenden tatsächlich eine Kluft in ihren Gedanken, Zukunftswünschen und politischen Ansichten. Immer wieder führen sie Streitgespräche und versuchen dabei den anderen von der Richtigkeit ihrer eigenen Ansichten zu überzeugen, doch vergebens scheint die Mühe ...

Eine poetische Erzählweise, viel Einfühlungsvermögen und eine Ich-Erzählerin, die auch ihr eigenes Gedankengut, sehr stark reflektiert, machen den Roman zu einem interessanten und ansprechenden Schmöker. Dorit Rabinyan vereint in ihrer Erzählung die Geschichte eines Landes mit dem Leben in der Gegenwart und zeigt, wie schwer es sein kann, eine Beziehung, deren Grenze zu allererst in den Köpfen der Menschen existiert, aufzubauen.

Meine Kritikpunkte beziehen sich zum einen auf den fehlenden Erzählstrang, den ich mir in Form des männlichen Parts erhofft hatte. Leider bleiben dadurch viele Beweggründe und Ansichten von Chilmi  im Ansatz stecken, weil seine Sichtweise nur aus zweiter Hand erlebbar wird. Und zum anderen enttäuscht mich die Handlungsweise der Liebenden, die mir für meinen Geschmack einfach viel zu wenig kämpfen, die sich nicht gegen ihre Familien und Freunde stellen wollen, die es einfach so hinnehmen, das ihre Gefühle füreinander vergehen werden und deren Perspektivlosigkeit mich auf allen Seiten des Romans begleitet hat. Oft stellte sich mir die Frage, ob es wirklich nur der Konflikt zwischen ihren Völkern war, oder ob diese Liebe auch unter normalen Umständen gescheitert wäre.


Fazit
Ich vergebe 4 Sterne und eine Leseempfehlung für diesen intensiven, vielschichtigen Roman, der sich unter gegebenen Umständen mit den verfeindeten Ansichten ganzer Völker auseinandersetzt und dadurch den Nahost-Konflikt sehr dramatisch und beklemmend wirken lässt. Abstriche verzeichne ich in Sachen Liebesgeschichte und Rebellion gegen die Allgemeinheit, da hätte ich mir persönlich mehr erhofft.            


Bewertung:  4 von 5 Sternen

Montag, 22. August 2016

[Gastrezension] Ursula Poznanski - Elanus

Gastrezension von Emotionen


Ursula Poznanski - Elanus



Angaben zum Buch:

Titel: Elanus
Autorin: Ursula Poznanski
ISBN: 978-3-7855-8231-2 
Erscheinungsdatum: August 2016
Preis: 14,95 EUR
Verlag: Loewe Verlag



"Elanus" stammt aus der Feder der österreichischen Schriftstellerin Ursula Poznanski und handelt von dem Jungen Jona, der sich nur mit der Hilfe der Drohne Elanus gegen die Spötteleien seiner Mitmenschen durchzusetzen weiß. Doch als er in eine neue Stadt kommt, macht er mit seinem fliegenden Auge Beobachtungen, die seinem Auge besser verborgen geblieben werden. Schon bald gerät Jona in größte Gefahr und er beginnt sich zu fragen, wem er noch trauen kann ...

Handlung
Die Geschichte, die Ursula Poznanski uns erzählt ist von der ersten Seite an sehr fesselnd. Auch wenn ich mit Jona nicht sofort warm wurde, so haben mich die Ereignisse rund um ihn und seine Gastfamilie sofort in den Bann geschlagen. Bereits als er seine Drohne das erste Mal ausschwärmen lässt macht er eine brisante Entdeckung, auch wenn er sie noch nicht ganz einzuordnen weiß. Aber bereits in den nächsten Tagen überschlagen sich die Ereignisse! Das Buch ist durchgängig spannend und als Leser rätselt man natürlich mit, was denn nun umgeht in dieser Stadt, in der sämtliche Einwohner verrückt zu spielen scheinen. Wer ist hinter Jona her? Welches Geheimnis ist so bedrückend, dass es wert ist, dafür zu töten?
Am Ende Buches bleiben einige Fragen offen, aber wirklich gestört hat mich das nicht. Das Gesamtpaket stimmt und Kleinigkeiten verzeihe ich in diesem Fall gerne.


Charaktere
Ich sage es offen heraus - auf den ersten Seiten wusste ich mit Jona gar nichts anzufangen. Die Autorin hat es perfekt hinbekommen, dass man den Protagonisten schon nach seinen ersten zwei Sätzen hasst wie die Pest, da das aber so gewollt war, hat sie einen sehr guten Job gemacht. Jona ist zwar unglaublich clever und nicht weniger eingebildet, aber wenn es um soziale Kompetenzen geht, dann versagt er auf ganzer Linie. Freundschaften gibt es für ihn zunächst nicht, aber wer hat denn schon Lust sich auf den ersten Blick als Idiot abstempeln zu lassen? Während er sich in seiner neuen Stadt also gleich die ersten Feinde macht, schafft er es überraschenderweise auch, sie mit dem Nachbarsjungen Pascal anzufreunden, der ihm seine schroffe Art nicht übel zu nehmen scheint. Zudem verliebt er sich in seine Kommilitonin Linda und spielt Marlene, einer flüchtigen Bekanntschaft, einen Streich indem er ihr Elanus hinterherhetzt. Die Charaktere sind alle sehr gut dargestellt und auch sehr glaubwürdig, allerdings dauert es seine Zeit um zu entschlüsseln, wer auf welcher Seite steht. Eines ist sicher - jeder hat etwas zu verbergen und "kein Vorhang kann dich schützen, sei er auch noch so rot".


Schreibstil
Ursula Poznanski schreibt sehr angenehm. Nicht nur das Äußerliche des Buches - Schriftgröße und Schriftart - sondern auch ihre Schreibweise sind sehr ansprechend. Die Kapitel haben eine angenehme Länge, das Buch wirkt nicht konstruiert, wird gleichzeitig aber doch in eine Richtung gelenkt, sodass der Leser nicht das Gefühl hat, auf der Stelle zu tappen.


Fazit
Ein sehr gelungen Jugendbuch mit tollen Thriller Elementen, das man auf jeden Fall seiner Wunschliste für 2016 hinzufügen sollte. Ich kann auch "Erebos" und "Saeculum" sehr empfehlen, ebenfalls Bücher von Ursula Poznanski. Demnächst werde ich dann auch mal "Layers" von ihr lesen und darüber berichten!


Bewertung
5 von 5 Sternen

Freitag, 19. August 2016

[Rezension] Martha Grimes - Inspektor Jury schläft außer Haus

Martha Grimes - Inspektor Jury schläft außer Haus







Angaben zum Buch:
Titel: Inspektor Jury schläft außer Haus
Autor: Martha Grimes
ISBN: 978-3-499-22487-4
Erscheinungsdatum: Dezember 2012 (Original 1981)
Preis: 9,99 EUR
Verlag: rororo Verlag


Klappentext:
Der erste Fall für Inspector Jury.

Eine grausame Mordserie erschüttert das idyllische Long Piddleton. Kurz vor Weihnachten werden zwei Unbekannte in den beiden Pubs des kleinen Städtchens tot aufgefunden. Ermordet und auf bizarre Weise zur Schau gestellt. Man ruft Inspector Richard Jury von Scotland Yard zu Hilfe. Er muss sich unter den Honoratioren des Ortes umsehen, die alle zu den Tatzeiten in den Pubs waren: der vertrottelte Pfarrer, der kultivierte Wirt, die schöne Dichterin, der zweifelhafte Krimiautor und seine sinnliche Sekretärin, der standesabtrünnige Graf Melrose Plant und seine amerikanische Tante. Einer von ihnen muss der Mörder sein. Doch die Alibis sind wasserdicht – auf den ersten Blick ...

Quelle: rororo Verlag


Meine Meinung:
Ein wunderschönes stimmungsvolles Cover, was die typischen Reihenhäuser von England zeigt. Auch die Stimmung beim Lesen lässt nicht erahnen, dass die Autorin gar keine Britin ist. Man ist sofort in Long Piddleton und friert im Schnee (und das, obwohl gerade in Wirklichkeit August ist). Es kommt trotzdem Weihnachtsfeeling auf.
Die Figuren sind toll ausgearbeitet. Man fühlt mit jedem einzelnen mit und leidet, hasst, liebt und freut sich mit ihnen allen. Besonders die verrückte Lady Agatha Ardry fand ich super. Der Krimi lebt definitiv von seinen tollen Charakteren. Er hat eigentlich immer einen spannenden Leitfaden, allerdings ziehen sich teilweise die Befragungen der einzelnen Verdächtigen etwas. Doch am Ende läuft alles wieder rund und man möchte jederzeit wissen, wie die ganze Story ausgeht. 
Als kleine Anmerkung nebenbei, ich habe selten ein Buch gelesen, in dem so viel geraucht wurde wie in diesem. Da merkt man einfach, dass es in den 80er Jahren noch zum guten Ton gehörte eine nach der anderen zu Rauchen.


Mein Fazit:
Ein klassischer, solider Kriminalroman mit so manchen Längen und guter Auflösung am Ende. Für Fans des klassischen englischen Kriminalromans ein Muss und ein guter Auftakt einer sehr bekannten Reihe.


Bewertung:  4 von 5 Sternen

[Gastrezension] Ernest van der Kwast - Die Eismacher

Gastrezension von jenvo82


Ernest van der Kwast - Die Eismacher





Angaben zum Buch:
Titel: Die Eismacher
Autor: Ernest van der Kwast
ISBN: 978-3-442-75680-3
Erscheinungsdatum: Mai 2016
Preis: 19,99 EUR
Verlag: btb Verlag



Inhalt
Die beiden Söhne der traditionsreichen Eismacherfamilie Talamini könnten unterschiedlicher nicht sein. Während der ältere Giovanni sein Herz der Poesie und Dichtkunst geschenkt hat, opfert sich der jüngere Luca im elterlichen Eiscafé auf, um immer wieder neue, schmackhafte Eiskreationen herzustellen und damit das Geschäft rentabel zu halten. Doch gerade diese gegensätzlichen Lebensentwürfe treiben nicht nur einen emotionalen Keil zwischen die beiden Brüder, sondern spalten die gesamte Familie. Gebunden an die jahrelange Verpflichtung, die im Erbe inbegriffen scheint, engagieren sich die Söhne der Familie normalerweise in der Eisherstellung und als es der erste Talamini-Nachfahre wagt, neue Wege zu beschreiten, wird er zum schwarzen Schaf. Doch eines Tages ergibt sich für Giovanni die Möglichkeit, seine Verfehlungen zu minimieren, indem er seinem jüngeren Bruder hilft, den Stammbaum weiterzuführen.


Meinung
Dies war mein erster Roman von Ernest van der Kwast, der mich in weiten Teilen absolut überzeugen konnte, weil er sehr gekonnt und umfassend die verschiedenen Belange und Wünsche von diversen Familienmitglieder einfängt, von ihren Interaktionen miteinander oder auch dem Fehlen eines echten Gesprächspartners. Familie wirkt hier wie ein lebendiges Gebilde, welches Stärken und Schwächen des Einzelnen auffangen kann oder erst vermag sie zu offenbaren. Der Autor verwendet eine poetische Sprache, die dennoch recht schnörkellos aufgenommen werden kann. Auch den großen Rahmen den er schafft, begonnen mit der Errungenschaft des Urgroßvaters bis hin zum derzeitigen Eismacher konnte mich begeistern. Weil die Sichtweise des Einzelnen voll und ganz zur Geltung kommt, weil es Söhne gibt, die mit Herzblut bei der Sache sind und solche, die sich für ihr Leben etwas Anderes vorstellen können und der ständigen zeitlichen und räumlichen Gebundenheit, die die Eisherstellung erfordert, am liebsten entrinnen möchten.

Ein weiteres Plus des Buches: Es handelt sich nicht um eine einfache Familiengeschichte, sondern auch über die Frage danach, was braucht man um glücklich zu sein, wie wirkt sich die persönliche Lebensweise auf eine Familie aus, welche Verfehlungen sind entschuldbar und welche Dinge rückt auch die Zeit nicht mehr ins rechte Lot. Gerade diese umfassende Betrachtungsweise hat mir sehr gut gefallen, weil sie lebensecht und stets präsent scheint.

Meine Kritikpunkte fallen hier kaum ins Gewicht, denn mich haben lediglich die längeren Ausflüge Giovannis in sein Leben zwischen Künstlern, Hotels und poetischen Dichtern gelangweilt, die sich doch häufen, ohne jemals ein Ende zu finden. Giovanni als Mann von Welt, der an die wahre Liebe glaubt und dessen Herz die Talaminis nie verlässt, obwohl er diese zeitweise aus seinem Leben ausschließt. Auch die eingeflochtenen Verse und Gedichtfetzen empfand ich überflüssig und habe an entsprechenden Stellen quergelesen.


Fazit
Ich vergebe 4 Lesesterne und eine Leseempfehlung für diesen gelungenen, zeitlosen Roman, der geprägt von Liebe und Verantwortung diverse Lebenswege und Entwürfe thematisiert und ein umfassendes, stilles, unprätentiöses Familienportrait schafft, welches Platz für Wünsche, Geheimnisse, Sehnsüchte und Kompromisse der Beteiligten lässt. Ehrlich, beständig und realitätsnah – die Kernaussage des Buches ist wie aus dem Leben gegriffen.


Bewertung: 4 von 5 Sternen

[Buchvorstellung] Ein neuer Regensburg Krimi

Lotte Kinskofer - Reitinger kehrt zurück






Drei Kriminalfälle hat der Journalist Thomas Reitinger schon gelöst. Nun aber machen andere die wirklich wichtigen Themen, denn er hat sich für seine kleine Tochter Elternzeit genommen. Ein wenig fad ist ihm schon, wenn er – selten genug – über kleinere lokale Ereignisse berichten darf. Also beißt er sofort an, als eine junge Frau ihn um Hilfe bittet, den Tod ihres Mannes aufzuklären ...


Mehr dazu findet ihr hier ...

Montag, 15. August 2016

[Gastrezension] Emma Cline - The Girls

Gastrezension von jenvo82


Emma Cline - The Girls




Angaben zum Buch:

Titel: The Girls
Autor: Emma Cline
ISBN: 978-3-446-25268-4 
Erscheinungsdatum: Juli 2016
Preis: 22,00 EUR



„Vor Suzanne hatte mich nie jemand angesehen, jedenfalls nicht richtig, also war sie zu meiner Definition geworden. Ihr Blick schmolz mein Inneres so leicht, dass selbst Fotos von ihr auf mich gezielt wirkten, von heimlicher Bedeutung entzündet.“


Inhalt:
Im Alter von 14 Jahren begegnet Evie Boyd einer Gruppe schillernder Mädchen, die trotz ihrer mageren Körper und losen, abgetragenen Kleider eine magische Anziehungskraft auf sie ausüben. „The Girls“ strahlen Unabhängigkeit und Extravaganz aus, eine faszinierende Mischung zwischen Furcht und der Hoffnung ein Teil dieser Verbindung zu werden stellt sich bei der Jugendlichen ein. Tatsächlich gelingt sie über Suzanne in die Mitte des Kreises und wird in die Kommune, in der die Mädchen mit ihrem Anführer und Guru Russell leben, aufgenommen. Beseelt von dem Gefühl, endlich Teil einer Gemeinschaft zu sein, in der ihr wahres Ich erkannt und beachtet wird, verstrickt sich Evie in die Machenschaften der Gruppe. Plötzlich werden täglicher Drogenkonsum, wilde Sexorgien und Diebstahl zu den Pfeilern ihres Lebens und sie rutscht in ein soziales Umfeld voller Konflikte. Doch Evie, die weniger Gefallen an Russell sondern eher an Suzanne findet, steckt bald schon sehr tief in der Geschichte drin und ihr objektives Urteilsvermögen schaltet sich ab. Als „The Girls“ den ganz großen Coup planen, kommt ihr der Zufall zu Hilfe, doch ihr Leben wird nie wieder das sein, was es einmal war.


Meinung:
Tatsächlich verfolge ich neben der Lektüre des Buches seit seinem Erscheinen auch gespannt die Rezensionen der anderen Leser und konnte feststellen, dass sich hier die Meinungen sehr breit gefächert darstellen. Die einen lieben das Buch, die anderen empfinden es als mittelmäßig mit zahlreichen Schwächen. Umso gespannter war ich auf meinen persönlichen Leseeindruck dieses anscheinend kontroversen Romans.

Emma Cline entwirft hier eine umfassende Entwicklungsstudie eines jugendlichen Mädchens, die wie so viele andere auch auf der Suche ist. Auf der Suche nach Zugehörigkeit und Anerkennung, nach Liebe und wahrer Freundschaft, ohne Kompromisse und so rein und absolut, wie das Leben nur in sehr jungen Jahren erscheint. Diese Sequenz hat die Autorin ganz wunderbar herausgearbeitet, denn die Hintergründe, die Evie letztlich dazu bewogen haben, sich der Kommune anzuschließen sind absolut nachvollziehbar. Doch was mich zunehmend gestört hat, war Evies Einsicht in die innere Struktur der Gruppe, deren Handlungen sie durchaus als „falsch“ einstuft und sie dennoch in keiner Weise hinterfragt. Ganz im Gegenteil, ihre bewusste Entscheidung macht es mir schwer, an ihren gesunden Menschenverstand zu glauben. Auch das „Anderssein“ als Lebensmaxime ist nicht das Erstrebenswerte für Evie, sondern einzig und allein die unerschütterliche Zuneigung zu einer Frau, die mit Leib und Seele dem dunklen Kreis um Russell angehört.

Die Autorin schreibt in zwei Erzählebenen – einmal in denen des Jahres 1969, als die junge Evie Teil der Kommune wurde und dann in der reflektierenden Gegenwart, in denen die Ich-Erzählerin über ihre Handlungen und Unterlassung philosophiert. Die Sprache des Buches ist literarisch auf hohem Niveau, liest sich aber auch sehr leicht, fast jeder Satz enthält einen Nebensatz und damit eine weitere Nuance, ein Gefühl oder eine Erklärung. Trotzdem blieben mir alle Protagonisten des Buches seltsam fremd, keine habe ich voll verstanden oder konnte sie in ihren Gedanken begleiten. Diese fortwährende Distanz zu den handelnden Personen hat mir das Lesevergnügen stellenweise etwas vergällt, weil ich mir mehr Objektivität, mehr äußere Anteilnahme erwünscht hätte.


Fazit:
Ich vergebe 4 Lesesterne für diesen intensiven, kontroversen Roman, der mir literarisch top erscheint, ein interessantes teils aufrüttelndes Thema fokussiert und den Leser in die Hippie-Zeit auf ihrem Höhepunkt entführt. Dennoch lässt mich das Buch etwas enttäuscht zurück, vor allem weil das Ende mehr Hoffnungslosigkeit als alles andere aufkommen lässt. Für mich nur schwer nachvollziehbar, wie die Entwicklungen während der Pubertät, ein ganzes Leben so nachhaltig prägen und überschatten können, ohne tatsächlich etwas bewirkt zu haben.


Bewertung: 4 von 5 Sternen

Sonntag, 14. August 2016

[Rezension] Rebecca Martin - Das goldene Haus

Rebecca Martin - Das goldene Haus


Mein Dankeschön geht an das Bloggerportal und Random House Audio für das Zurverfügungstellen dieses wunderbaren Hörbuchs.






Angaben zum Hörbuch:
Titel: Das goldene Haus
Autorin: Rebecca Martin
Sprecherin: Anna Thalbach
ISBN: 978-3-8371-3264-9
Erscheinungsdatum: März 2016
Preis: 14,99 EUR
Verlag: Random House Audio


Klappentext:
Frankfurt 1901: Bettina Wessling hat ihr Leben dem Aufbau des prächtigsten und modernsten Kaufhauses der Stadt gewidmet. Ihr Ehemann Arnold ist das Oberhaupt der angesehenen Familie. Doch Bettinas heimliche Leidenschaft gilt einem anderen: Sie liebt Richard, Arnolds verfeindeten Bruder, doch sie hält es für ihre Pflicht, ihre Gefühle zu unterdrücken. 

Bettina hütet nicht nur dieses Geheimnis. Genauso wie ihre Ehe auf Lügen aufbaut, gründen das Kaufhaus und der Reichtum ihrer Familie auf Schuld und Verrat. Eines Tages kommt ein fremdes junges Mädchen aus Paris zu den Wesslings. Alles droht aufzufliegen, und die Zukunft und das Glück der nachfolgenden Generationen stehen auf dem Spiel …

Anna Thalbach erweckt mit ihrer Stimme die schillernde Kaufhausdynastie der Wesslings zum Leben. 



Meine Meinung:
Zuerst möchte ich etwas zu Anna Thalbach sagen. Ich habe schon öfter etwas von ihrer Mutter Katharina gehört, aber bewusst noch nie etwas von Anna Thalbach. Daher war ich natürlich sofort begeistert, als ich ihre Stimme hörte. Die Klangfarbe ist genauso dunkel wie die ihrer Mutter. Ich liebe solche Frauenstimmen, denn sie haben Charakter und nehmen mich immer voll und ganz mit in die Geschichte. Absolut brillant gelesen und mit Höhen und Tiefen in der Stimme die einzelnen Charaktere perfekt abgesetzt voneinander.

Nun aber zur Geschichte. Eine Kaufmannsfamilie, die sich durch ein düsteres Geheimnis zu Wohlstand verholfen habt. Eine wirklich spannende Geschichte, die von Beginn an neugierig macht. Man lernt die verschiedenen Figuren kennen und fragt sich, was die junge Minette mit der Kaufmannsfamilie in Frankfurt zu tun hat.
Man erfährt viel über die Zeit um 1900 und merkt schnell, dass nur wenige Menschen in dieser Zeit wirklich glücklich waren. In Ansätzen werden auch die Hierarchien von damals in einem Kaufhaus klar. Es werden Intrigen gesponnen, es wird sich geliebt, gehasst und verletzt. Eine rundum gelungene Familiengeschichte fast schon im Stil der Buddenbrooks.


Mein Fazit:
Eine spannende Familiengeschichte mit düsteren Geheimnissen und großen Gefühlen. Gemeinsam mit der Stimme von Anna Thalbach ein absolut gelungenes Hörbuch und für jeden Fan von düsteren Familiengeheimnissen ein Muss!


Bewertung:  5 von 5 Sternen

Dienstag, 9. August 2016

[Gastrezension] Night Falls - Jenny Milchman

Gastrezension von Emotionen


Jenny Milchman - 

Night Falls - Du kannst dich nicht verstecken



Angaben zum Buch:
Titel: Night Falls - Du kannst dich nicht verstecken
Autor: Jenny Milchman
ISBN: 978-3-548-28755-3 
Erscheinungsdatum: Juli 2016
Preis: 9,99 EUR
Verlag: Ullstein Verlag


Mit "Night Falls - Du kannst dich nicht verstecken" ist Jenny Milchman ein unglaublich spannender und fesselnder Thriller gelungen, der einem auch an heißen Sommertagen einen kalten Schauer über den Rücken jagt.

Handlung
Der Klappentext sagt eigentlich schon genug, das gesamte Buch dreht sich um die Geiselhaft der Familie Tremont, die gefährlichen Sträflingen in die Hände gefallen ist. Die Handlung ist jedoch mehr als einmal irrational, das könnte den einen oder anderen abschrecken. Totgeglaubte stehen wieder auf, die Hauptcharaktere sind schlicht und einfach nicht tot zu kriegen und die Nebencharaktere mit den besten Überlebenschancen müssen ganz überraschend dran glauben. Vor allem gegen Ende hin bleiben wichtige Fragen offen, es werden noch neue Ereignisse angerissen, aber dann nicht mehr genauer ausgeführt.
Trotzdem bleibt das Buch durchwegs spannend und wird nie langweilig. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt, daher hat der Leser immer den totalen Durchblick. Aber auch er kann nicht voraussagen was Nick, eine tickende Bombe, getrieben von Rachsucht, als nächstes tun wird.

Charaktere
Die Protagonisten haben mir sehr gut gefallen. Jeder Charakter ist anders und einzigartig. Sandra verbirgt etwas in ihrer Vergangenheit, doch dieses etwas droht sie einzuholen und zu vernichten. Ben spielt den liebenden, aber unwissenden Ehemann. Ivy brilliert in der Rolle der schwer erziehbaren, pubertierenden Teenager Tochter. Mackie, der Familienhund ist einer der großen Sympathieträger. Nick ist unberechenbar, während sein Komplize Harlan sich am liebsten komplett von der Gewalt abkehren möchte. Und Barbara, die Mutter von Nick ist so verblendet, dass es einem kalt über den Rücken läuft. Zudem ist da auch noch Cory, der süße Nachbarjunge, der Ivy sein Herz im falschen Moment ausschütten will ... Sehr starke und lebhafte Charaktere, wenn sie auch nicht immer nachvollziehbar handeln und nicht immer das Gefühl von Todesangst vermitteln.

Schreibstil
Jenny Milchman hat einen sehr angenehmen Schreibstil. Sie schafft es die Spannung über fast 500 Seiten hinweg zu halten, obwohl sich fast das gesamte Buch im Haus der Tremonts abspielt und nur wenige Stunden vergehen im gesamten Buch, bevor es dann zu einem Abschnitt in der Zukunft kommt. Auch wenn Jenny Milchman nicht immer ganz glaubwürdig erzählt, so schafft sie es doch den Leser für sich zu gewinnen. Zudem schreibt sie aus allen Perspektiven sehr überzeugend. 

Fazit
In dem Buch passiert sehr viel zufällig und alles fällt auffällig gut zusammen. Für jeden ist das vielleicht nicht etwas, aber es schreit auf jeden Fall nach amerikanischem Thriller. Man darf sich darauf freuen, dass alle Register dieses Genres (inklusive Blizzard) gezogen werden.  Es gibt diese kleinen aber feinen Unterschiede, die abgesehen von der Handlung einen amerikanischen Thriller von einem Schwedenkrimi unterscheiden. Die Protagonisten, die Umstände, das Ende.

Für mich war dies das erste aber ganz sicher nicht das letzte Buch der Autorin! Ich bin sehr froh, dass mir dieser Thriller nicht entgangen ist. Kann ihn nur weiterempfehlen! Geeignet für alle Altersklassen ab 16 Jahren würde ich sagen.

Bewertung
4 von 5 Sternen

Freitag, 5. August 2016

[Rezension] Preston/Child - Fear - Grab des Schreckens

Douglas Preston & Lincoln Child - 
Fear - Grab des Schreckens





Angaben zum Buch:
Titel: Fear - Grab des Schreckens
Autor: Douglas Preston & Lincoln Child
ISBN: 978-3-426-50809-1
Erscheinungsdatum: Juni 2014
Preis: 9,99 EUR
Verlag: Knaur Verlag


Klappentext:
Nur wenige Minuten dauert das ersehnte Wiedersehen von Special Agent Pendergast mit seiner Frau Helen, bevor sie vor seinen Augen entführt wird. Mit unerbittlicher Härte nimmt der FBI-Mann die Verfolgung auf. Doch die Täter sind ihm stets einen entscheidenden Schritt voraus. 
Zur selben Zeit hinterlässt ein Serienkiller an seinen Tatorten persönliche Nachrichten für Pendergast. Er muss erkennen, dass sein Wiedersehen mit Helen nur der Auftakt zu einem perfiden Komplott war. Und dass ihm das Schlimmste – die grausame Wahrheit – noch bevorsteht. 

Quelle: Knaur Verlag


Meine Meinung:
Das Buch beginnt voller Hoffnung und guter Laune, doch bereits nach wenigen Seiten beginnt das Schrecken. Man erfährt über die Figuren Helen Pendergast, Dr. Felder und Corrie Swanson jede Menge. Ihre Geschichten laufen parallel und sind jede für sich spannend. Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt. Der erste Teil besteht aus Stundenangaben, der zweite aus Kapiteln. Allerdings machen die Stundenangaben nur bedingt Sinn. Vielleicht sollen sie einfach verdeutlichen, wie zeitnah die Ereignisse geschehen. Eine eher überflüssige Angabe.
Vor allem der Hauptstrang, über den geheimnisvollen "Bund" ist spannend. Allerdings hat das Buch auch seine Längen. Spannung wird oft nur über Hetzjagden aufgebaut, sodass man beim Lesen immer wieder an klassische "James Bond"-Filme erinnert wird. Das ist sehr schade, denn Spannung kann so viel mehr sein. Zwischendrin wirkt Pendergast teilweise wie ein Opium berauschter Sherlock Holmes, was leider auch wieder nur wie abgekupfert wirkt.
Wirklich gut gemacht, sind die immer wieder mal auftauchenden kleinen Anspielungen auf andere Bücher der Autoren. Da macht es wirklich Sinn mal alle in der richtigen Reihenfolge zu lesen.


Mein Fazit:
Die Geschichte wirkt zu konstruiert. Da will man drei parallel und für sich gute Stories miteinander verflechten und schafft es nicht so recht. Teilweise tauchen Personen auf, die dann plötzlich wieder verschwinden, ohne dass gesagt wird warum. Und auch die Spannung lässt zu wünschen übrig. Immer wieder Hetzjagden und ansonsten nur wenig Abwechslung im Spannungsbereich. Schade, ich hatte mir mehr erhofft. Trotzdem für Pendergast-Fans sicher ein nett zu lesendes Buch.


Bewertung:  3 von 5 Sternen