Sonntag, 25. September 2016

[Gastrezension] Banana Yoshimoto - Lebensgeister

Gastrezension von jenvo82


Banana Yoshimoto - Lebensgeister


Angaben zum Buch:
Titel: Lebensgeister
Autorin: Banana Yoshimoto
ISBN: 978-3-257-30042-0
Erscheinungsdatum: September 2016
Preis: 15,00 EUR
Verlag: Diogenes Verlag


"Mein Herz ging weit auf in der Regenbogenwelt, funkelnd wie ein Stern, und die Welt nahm es freudig auf und antwortete mit einem Feuerwerk aus Farben."


Inhalt
Ein Autounfall zerstört das Leben von Sayoko und ihrem Freund Yoichi. Während sie schwer verletzt überlebt, gibt es für ihn keine Hoffnung mehr. Sein Tod hinterlässt eine traurige, fade Wirklichkeit und eine Lücke, die es nun zu füllen gilt. Doch Sayoko fühlt sich dem durchaus gewachsen, denn seit ihrer eigenen Nahtoderfahrung, sieht sie Geister von Verstorbenen und hat den Übergang zwischen der diesseitigen und der jenseitigen Welt passiert. Sie schöpft Hoffnung für die Zukunft und erkennt die Schönheit der Gegenwart genauso wie die Zufriedenheit, die sie irgendwann einmal nach dem Tod empfinden wird.


Autorin
Banana Yoshimoto, geboren 1964, hieß ursprünglich Mahoko Yoshimoto. Ihr erstes Buch ›Kitchen‹ schrieb sie während ihres Studiums, jobbte nebenbei als Kellnerin in einem Café und verliebte sich dort in die Blüten der ›red banana flower‹, daher ihr Pseudonym. Ihr Vater Ryumei Yoshimoto war ein bekannter Essayist und Literaturkritiker. Sie schrieb zahlreiche Bücher, die auch außerhalb Japans ungewöhnlich hohe Auflagen erreichten. Ihr Debütroman verkaufte sich auf Anhieb millionenfach – ein Phänomen, für das dann die Bezeichnung ›Bananamania‹ gefunden wurde.


Meinung
Dies war mein erster Roman der japanischen Autorin, die hier einen philosophischen Ausflug in eine Welt hinter der unsrigen wagt und versucht, den Leser für die Bedeutsamkeit des Lebens zu sensibilisieren. Die poetische Schreibweise, gepaart mit elementaren Lebensweisheiten berührte mein Herz und hat mir sehr gut gefallen. Sayokos Gedankenwelt ist tiefgründig und realistisch beschrieben und zeigt sehr deutlich, wie wichtig es ist, nach dem Verlust eines geliebten Menschen nach vorn zu blicken. 

Sehr intensiv wird ihre Nahtoderfahrung geschildert, die letztlich dafür verantwortlich ist, dass sie in ihrem Leben wieder Fuß fassen kann. Darüber hinaus entwickelt der Leser ein tiefes Verständnis für die Möglichkeit der Existenz einer jenseitigen Welt und in ihm keimt die Hoffnung, dass es vielleicht möglich ist, ebenso wie Sayoko Kontakt mit den Seelen der Verstorbenen aufzunehmen.

Trotz seiner Spiritualität driftet der Roman nie ins Sentimentale ab, sondern erweckt eher den Eindruck, das Trauerverarbeitung auch viel damit zu tun hat, das diesseitige Leben in Angriff zu nehmen und den Blick auf die Schönheit des Gegenwärtigen zu richten.

Lediglich die Kulturunterschiede zwischen dem japanischen Lebensgefühl und der westeuropäischen Denkweise haben mir manche Textpassage erschwert, weil ich mich immer etwas im Abseits fühlte, was meinen Glauben anbelangt. Hier kann man nicht erwarten, dass man auf Menschen trifft, die unbeirrt an Geister glauben und darüber auch noch öffentlich debattieren...


Fazit
Ich vergebe 4 Lesesterne für diesen kleinen, feinen Roman mit so viel interessanter Präsenz der geistlichen Welt. Manchmal fast religiös, dann wieder äußerst profan erlebt der Leser den Weg einer jungen Frau, die fest daran glaubt, die Liebe ihres Lebens nicht verloren zu haben, obwohl sie seine Anwesenheit nicht mehr spürt. Für Trauernde eine positive Lektüre, die verspricht, dass es mehr gibt, als ein Mensch vordergründig begreifen kann.

Bewertung:  4 von 5 Sternen

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