Samstag, 7. Januar 2017

[Gastrezension] Mechthild Borrmann - Trümmerkind

Gastrezension von jenvo82


Mechthild Borrmann - Trümmerkind




Angaben zum Buch:
Titel: Trümmerkind
Autorin: Mechthild Borrmann
ISBN: 978-3-426-28137-6
Erscheinungsdatum: November 2016
Preis: 19,99 EUR
Verlag: Droemer


Eine Welt in Trümmern. Ein Kind ohne Familie. Eine Frau auf der Suche nach Wahrheit.


Inhalt
Agnes Dietz schlägt sich mit ihren Kindern Hanno und Wiebke als Schneiderin in einem vollkommen zerstörten Nachkriegsdeutschland durch. Keine Heizung, kein Geld und noch nicht mal etwas zu Essen. Jede Hilfe ist mehr als willkommen und der Handel auf dem Schwarzmarkt oft die einzige Möglichkeit zu überleben. Als Hanno eines Tages einen kleinen Jungen mit anbringt, den die Kinder zwischen den Ruinen der Stadt gefunden haben, nimmt Agnes diesen auf. Jahre später, forscht dieser Mann, den Agnes auf den Namen Joost getauft hat, nach seiner wahren Herkunft und durch Zufall begegnet er Anna Meerbaum, die endlich mehr Informationen für ihn hat. Doch schon bald stößt er auf vier ungeklärte Mordfälle, die direkte Parallelen zu seinem Leben aufzuweisen scheinen.

Meinung
Schon lange war ich auf den neuen Roman aus der Feder von Mechtild Borrmann gespannt, von der bereits einige Bücher auf meiner Wunschliste stehen. Die bislang sehr positiven Lesermeinungen ließen mich auf gute Unterhaltungsliteratur hoffen und genau die habe ich auch gefunden.

Die Autorin hat einen gängigen, leicht lesbaren Erzählstil für ihr Buch gewählt und eine eher ruhige, unaufgeregte Schreibweise. Spannung entwickelt sich hier subtil, während auf die historischen Hintergründe sehr einfühlsam und ausführlich eingegangen wird. Gerade dieser Fokus hat mich begeistert, denn die Lebensweise und die persönlichen Schicksalsschläge der Menschen, in einem vom Krieg vollkommen zerstörten Land werden geradezu brillant eingefangen und intensiv beleuchtet. Zerstörte Familien, einsame Findelkinder, ein täglicher Überlebenskampf und die bange Frage, wie sich die Zukunft gestalten wird. Dennoch herrscht Aufbruchstimmung und der unbedingte Wille den nächsten Tag so gut wie möglich zu überstehen.

Im Zentrum stehen hier zwei Zeitebenen, die sich zum einen mit der Vergangenheit und den Kriegswirren 1946/47 befassen und zum anderen mit der Recherche einer jungen Frau, die auf die fragwürdige Identität der eigenen Mutter gestoßen ist und im Jahre 1993 erstmals eigene Ermittlungen anstellt. Mechtild Borrmann verwebt geschickt die beiden Einzelschicksale von Anna und Joost und stellt eine fast unglaubliche Verbindung her. Der Spannungsbogen in der zweiten Hälfte des Buches nimmt zu und alles steuert auf ein Verbrechen hin, welches aus der Vergangenheit heraus eine einschneidende Erfahrung im Leben der beiden Protagonisten darstellt.


Fazit
Ich vergebe 5 Lesesterne und eine direkte Leseempfehlung für alle, die historische Zusammenhänge mögen, die sich direkt und indirekt auf ein Menschenleben auswirken können und weitreichende Folgen haben. Den Leser erwartet hier weniger ein Kriminalroman, als vielmehr eine Erzählung über die fragwürdige Herkunft, die ungeklärte Vergangenheit und das Schicksal vieler Familien in den Nachkriegswirren. Ein idealer Boden für Verbrechen, die mitunter erst Jahrzehnte später aufgeklärt werden können. Unterhaltungsliteratur vom Feinsten!

Bewertung:  5 von 5 Sternen

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